April 2020 – EFI hilft in der „Ersten Welt“

Nicht nur Schutzausrüstung wie Kittel und Masken sind in Europa knapp geworden. Genau wie die Herstellung von zertifizierten Gesichtsmasken sind in den vergangenen Jahren auch die Produktionskapazitäten der Pharma-Industrie mehr und mehr in Länder mit niedrigeren Lohnkosten (und, man mag es als Endabnehmer nur mit verschlossenen Augen und schlechtem Gewissen sagen, aber natürlich ist auch das ein Grund, mit niedrigerem Standard hinsichtlich Schutz und Behandlung der Arbeitnehmer) ausgelagert worden. Die Globalisierung und die hochkomplexen Strukturen, welche die internationalen Warenströme ermöglichen, von frischen Erdbeeren aus Neuseeland über Rosen aus Uganda bis eben zu Atemmasken aus China, sind aber wie alle hochkomplexen Systeme auch hochanfällig. Ohne die „üblichen“ Abläufe an Grenzen, in Häfen, Flughäfen und Logistikzentren funktioniert all das nicht reibungslos, nicht zeitgerecht, nicht zu den gewohnt niedrigen Kosten oder eben überhaupt nicht. Und noch schwieriger wird es, wenn nationale Interessen ins Spiel kommen.

Von Impfstoffen und Kreislaufmitteln ist es bekannt, auch Anästhesie-Medikamente hatten in jüngster Zeit ihren Platz in der Presse: viele, sehr viele Medikamente, die in Europa eingesetzt werden, wurden zwar noch immer in Deutschland, der Schweiz, den USA, Frankreich oder dem UK entwickelt, werden aber zunehmend in Indien, China und anderen asiatischen Ländern produziert. Mit dem Zusammenbruch oder der Verschlechterung der gewohnten Handelsabläufe in den letzten Monaten kam es auch in Europa und anderswo zu Engpässen bis hin zu ernsthaften Lücken in der Versorgung mit Pharmaka. Dies betraf zuletzt auch gut bevorratete Einrichtungen, beispielsweise beim Nachschub mit Antibiotika.

EFI (s. Aktuelles, „Oktober 2018 – eine Apotheke muss schliessen“)  verfügte noch über einen gewissen Bestand an hochwertigen Antibiotika, die für geplante Einsätze im Laufe des Jahres 2020 vorgesehen gewesen waren. Die entsprechenden Verfalldaten zwischen Ende 2020 und Mitte 2021 hättten eine spätere Verwendung nicht erlaubt. Es lag deshalb nahe, diese wertvollen und zunehmend knappen Arzneimittel nicht hundertprozentig satzungskonform, angesichts der aktuellen Weltlage aber mehr als sinnvoll der Kreisklinik Ebersberg zur Verfügung zu stellen.

Ferner war es uns eine Freude, das EFI-Netzwerk zu nutzen und einige Tausend der auch Ende April 20 noch schwer und dann nur gegen teilweise unmoralisch hohe Preise erhältlichen Spezialmasken für den medizinischen Bedarf zu beziehen und zu vermitteln (sog. „FFP2-Masken“, welche die Einatemluft von 95 und mehr Prozent der Partikel reinigen und deshalb den Träger UND sein Gegenüber nicht vollständig, aber sehr weitgehend vor der Viren-Übertragung schützen).

Wenn die grassierende Seuche schon die übliche Hilfe in Ländern mit medizinisch niedrigerem Standard unmöglich macht, dann heisst das also nicht, dass es keine Wege gibt, trotzdem hier und dort eine Kleinigkeit beizutragen. Leider sind so gut wie alle Aktivitäten, die EFI seit Jahren grosse Teile seiner Spendenmittel eingebracht haben (Schulveranstaltungen, Vorträge, Geburtstagsfeiern u.s.w.), abgesagt oder auf unabsehbare Zeit verschoben.

Ob und in welchem Umfang EFI, Interplast und andere NGO´s mit ähnlichem humanitärem Ansatz nach Ende der aktuellen Gesundheitskrise, wenn es denn ein solches geben sollte, ihre Tätigkeit wieder aufnehmen können werden, lässt sich derzeit in keiner Weise vorhersagen. Im schlimmsten Fall werden sich die Verhältnisse in Asien, Afrika und Südamerika, aber auch in Ländern, die heute bestimmt niemand zur „Dritten Welt“ zählen würde, durch eine weltweite politischen Krise in der Folge der abzusehenden weltweiten wirtschaftlichen Krise in der Folge der noch lange nicht auch nur ansatzweise beherrschten medizinischen Krise dramatisch verändern. Die USA und UK zeigen exemplarisch, wie hauchdünn die soziale Decke geworden ist, nicht nur, was das Gesundheitssystem und die Arbeitswelt betrifft.

Die Kreisklinik Ebersberg, die seit Jahren mit EFI und den befreundeten NGO´s „Orthopädie für die Drittte Welt e.V.“ und „GloboLab e.V.“ am selben Strang zieht und oft mit Materialspenden (Instrumente, Klinikbetten etc.) geholfen hat, hat EFI e.V. eine beachtliche Geldspende angekündigt – danke dafür !

März 2020 – ein spätes Weihnachten

Scheckübergabe „Kette der helfenden Hände“; von links Michael Acker, Chefredakteur der Ebersberger Zeitung; Hajo Schneck, EFI; Wolfgang Haller, Orthopädie für die Dritte Welt; Werner Miller, LIONS Club

Bei der gemeinsamen Weihnachtsaktion von Ebersberger Zeitung, LIONS Club Ebersberg und Rotary Club Ebersberg „Kette der helfenden Hände“, die seit mehreren Jahren Spenden für wechselnde Projekte sammelt, sind 2019 erstaunliche € 50.000.- zusammen gekommen.

Neben anderen örtlichen Organisationen mit dem Thema humanitäre Hilfe im Ausland (Orthopädie für die Dritte Welt, GloboLab, Ecuador-Hilfe, Verein Alem Katema) wurde EFI e.V. mit einer Summe von sage und schreibe € 10.000.- grosszügig bedacht. Plötzlich ist der Gedanke, den wegen Covid-19 kurzfristig abgesagten, aber natürlich bereits finanzierten Einsatz in Noida nicht mehr gänzlich unrealistisch – danke an alle Beteiligten, namentlich und stellvertretend Michael Acker von der Ebersberger Zeitung und Werner Miller vom LIONS Club!

März 2020 – Covid-19 verhindert einen EFI-Einsatz in Indien

Nur neun Tage vor Abflug mussten wir den lange geplanten jährlichen Einsatz in Noida/Indien (s. Hauptprojekte) absagen. Die von den verschiedenen Ländern schon angeordneten, noch erwogenen oder erst allmählich auf den Bildschirm geratenden Massnahmen, die der weltweiten Ausbreitung des neuen Corona-Virus entgegen wirken sollen (was von vielen Fachleuten für illusorisch gehalten wird), würden gegebenenfalls zu erheblichen Eingriffen in die Lebenssituation unserer Teammitglieder führen.

Man muss sich vergegenwärtigen, dass sich alle Teilnehmer die zwei Einsatzwochen nicht nur aus ihrem eigenen Urlaubs- und Freizeit-„Budget“ schneiden, sondern dass privates (Partner, Familie, Freunde) und berufliches Umfeld (Gemeinschaftspraxis, Kollegenschaft in der Klinik etc.) meistens sehr eng mit eingebunden sind, und all das in der Regel ganz eng auf Kante genäht.

Kindergarten- und Schulschliessungen während des Einsatzzeitraums würden diese privaten Netzwerke, die ja auch für die kommenden Jahre bzw. für andere Projekte noch zur Verfügung stehen sollen, beispielsweise erheblich gefährden, ebenso eine allfällige Quarantäne bei Rückkehr, und sei diese nur angeordnet, weil sich im selben Flugzeug andere Passagiere mit Covid-19 Infektion oder mit Fieber aus anderen Gründen befunden haben.

Bei unserem multinationalen Team (vertreten genetisch oder administrativ Deutschland, Italien, Kroatien, Liechtenstein, Österreich, Schweiz, Vietnam) wäre also organisatorischen Komplikationen Tür und Tor geöffnet gewesen; beispielsweise nahm die Zurückweisung von Reisenden aus Italien – auch wenn es nur der Pass suggeriert – in den letzten Tage zu, erstmals wurden auch generell Reisende aus Deutschland von der Einreise ausgeschlossen.

Die im Vorfeld entstandenen Kosten (vor allem Tickets und Visa-Gebühren, zusammen um die € 8.000.-) müssen leider verloren gegeben werden, die routinemässig, wenn nicht privat vorhanden, von EFI abgeschlossenen Reiserücktrittversicherungen bieten in diesem Fall keinen Schutz. Beschafftes Material und Medikamente werden wir für andere Einsatzorte, z.B.Haridwar im Herbst oder Noida im nächsten Jahr, aufbewahren. Kosten, die unseren verständnisvollen Gastgebern bereits entstanden sind, z.B. Hotelbuchung, Op-Miete etc., werden hoffentlich wenigstens teilweise gemildert werden können.

Wir hoffen auf einen halbwegs ungestörten Ablauf des Noida-Einsatzes im nächsten Jahr!

Februar 2020 – wer erinnert sich noch an Samsam?

Im Sommer 2016 (s. „Aktuelles“ Juni 2016) konnte EFI zusammen mit einigen engagierten Ebersberger BürgerInnen die Schwester eines in Ebersberg lebenden Asylsuchenden nach schwerer Verbrennung mit Behandlungskosten und vor allem rascher Beschaffung spezieller Medikamente unterstützen. Norwegische Ärzte behandelten Samsam, so heisst die junge somalische Frau, in einer koreanischen Klinik in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba.

Es ist eine Freude berichten zu können, dass wir heute Folgendes erfahren haben:

Samsam hat inzwischen einen Partner gefunden und kürzlich nach unkomplizierter Schwangerschaft ein gesundes Mädchen geboren – herzlichen Glückwunsch auch aus Grafing!

Februar 2020 – EFI unterstützt das Regensburger Projekt in Sendhwa/Indien

Zum wiederholten Mal konnten wir mit einer Spende das von Frau Dr. Barbara Dünzl betriebene Projekt im Augustinerinnen-Krankenhaus in Sendhwa/Madhya Pradesh in Zentralindien fördern (s. „Aktuelles“ August 2013, Januar und Dezember 2016 und zuletzt Mai 2018).

Die dort ebenso unermüdlich wie Barbara Dünzl tätige Ordensschwester Julia steht für den gezielten und verschwendungslosen Einsatz unserer (und anderer) Mittel für die in Sendhwa betreuten Menschen. Solche Projekte sind nach unserer und der Erfahrung vieler in armen Ländern Engagierter um ein Vielfaches effektiver als manches Grossprojekt einer UN-Organisation oder vergleichbar grosser und ebenso verwaltungsaufwendiger NGO`s oderv GO´s.

EFI gratuliert Dr. Barabara Dünzl bei der Gelegenheit von Herzen zum Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, das ihr im September 2019 von der Bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml im Auftrag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verliehen wurde. Wenn jemand eine Auszeichnung für sinnvolles und selbstloses humanitäres Engagement verdient hat, dann sie.

Februar 2020 – der Rotary Club Wasserburg spendet grosszügig

Nach einem Vortrag unseres Vereinsmitglieds und langjährigen aktiven Interplastlers Dr. Wolfgang Detterbeck aus Breitbrunn hat der Rotary-Club Wasserburg aus dem östlichen Nachbarlandkreis eine grosszügige Spende in Höhe von € 2.000.- geleistet – herzlichen Dank dafür! Als ob es abgesprochen gewesen wäre, traf die Spende nahezu gleichzeitig mit der Nachricht ein, dass eines unserer in Indien stationierten Geräte für Elektrochirurgie („Kauter“) einen irreparablen Schaden aufweist und ersetzt werden muss.

Eine wirklich glückliche Fügung, der Anschaffungspreis liegt mit etwas Zubehör knapp unter € 2.000.-, es kann also weitergehen. Danke den (auch persönlichen) Freunden vom RC Wasserburg!

Januar 2020 – der LIONS-Club Wörth-Kandel spendet grosszügig

Über die „Pfalz Connection“ Ana Lázaro Martín und Thomas Hehr – Südliche Weinstrasse hat sich der LIONS-Club Wörth-Kandel (das ist westlich von Karlsruhe, eigentlich schon mehr in Frankreich) für die Arbeit von Interplast interessiert und zu einer sehr grosszügigen Spende in Höhe von € 3.000.- (dreitausend !) entschlossen.

Die Spende ist zweckgebunden für die beiden Projekte in Haridwar und in N´danda/Tanzania (auch das N´danda-Projekt ist wiederholt von EFI gefördert worden); Ana Lázaro Martín ist bei beiden Camps aktiv dabei, so dass sich der LIONS Club Wörth-Kandel erstens auf eine sinnvolle Verwendung der Spendenmittel verlassen und zweitens auf eine spannende Berichterstattung freuen kann.

EFI sagt herzlichen Dank an den Club, vertreten durch seinen aktuellen Präsidenten Marcus Ehrgott !

November 2019 – EFI (be)fördert erneut Teams des Vereins „Orthopädie für die Dritte Welt (ODW e.V.)“ nach Lunsar/Sierra Leone

Wie fast jedes Jahr konnte EFI auch heuer wieder Tickets, Geräte, Material und Medikamente für einige Einsätze des Vereins ODW nach Lunsar/Sierra Leone beisteuern. EFI wünscht den KollegInnen und vor allem den Patientinnen und Patienten im St.-John-of-God Hospital erfolgreiche Arbeit!

September 2019 – Geld vom Verein „Freunde des Zonta-Clubs Murnau“; nicht zum ersten Mal

Nicht zum ersten Mal haben die „Freunde des Zonta-Clubs Murnau“ (von denen etliche auch Freundinnen sind) EFI mit Spenden unterstützt, namentlich für das langfristige Haridwar-Projekt.

Hintergrund ist nicht zuletzt die Mitgliedschaft von Frau Dr. Gaby Fromberg im dortigen Zonta-Club – sie ist ja seit 2010 die chirurgische Leiterin der Teams, die EFI unter dem Interplast-Dach (teils Sektion Bayern Süd, teils Sektion Bad Kreuznach) jedes Jahr nach Haridwar entsendet.

 

Über die Jahre hat der Verein inzwischen einen hohen vierstelligen Euro-Betrag beigesteuert – herzlichen Dank an die Freundinnen und Freunde und an die Mitglieder des Murnauer Zonta-Clubs. EFI hofft, dass dem Verein auch nach dem jüngsten Vorstoss des derzeitigen Bundesfinanzministers Olaf Scholz die Gemeinnützigkeit erhalten bleibt, nimmt er doch ausschliesslich Frauen auf 😊

 

Oktober 2019 – Erst gut sehen, dann gut liegen – nochmal BMM e.V.

Nachdem mit Unterstützung durch die Ebersberger Firma Dr. Mach die Sichtverhältnisse in den beiden Haridwarer Op´s schon deutlich verbessert werden konnten – s. Beitrag im Oktober 2016 -, macht es heuer der Wasserburger Verein „Begegnungen mit Menschen e.V.“ mit seinem Präsidenten Andreas Bauer möglich,

Andreas Bauer vom Verein „Begegnungen mit Menschen“ und Dr. Wolfgang Detterbeck von EFI mit dem Scheck für die beiden Op-Tische

zwei nagelneue Operationstische in „unsere“ Op´s zu stellen.

Ganz herzlichen Dank dafür!

Nachdem sich die Teams seit Jahren in Haridwar wie zuhause fühlen, sind allmählich auch die technischen Bedingungen kaum mehr zu unterscheiden:

leistungsfähige Klimaanlage, gut gepflegte chirurgische Instrumente im Wert von mehreren Zehntausend Euro, Ausrüstung zur Elektrochirurgie, LED-Op-Leuchten und  nun noch qualitativ gute Op-Tische. Jedes Jahr werden entscheidende Verbesserungen schwieriger, die Defizite weniger offensichtlich.

Das A und O der Arbeit, zu der sich gerade wieder ein Team unter Leitung von Dr. Gaby Fromberg aus Murnau und Dr. Wolfgang Detterbeck vom Chiemsee aufhält (darunter drei Ärzte aus der Ebersberger Kreisklinik), sind die handelnden Personen – unsere Teams und das Team der Gastgeber vom Rotary-Club Haridwar, die seit Jahren unglaublich gut harmonieren und zusammen schon mehr als 1.000 Operationen möglich gemacht haben. Nächstes Jahr wird das Dutzend an Einsätzen voll werden.