Juni 2022 – zurück nach drei Jahren: das Gymnasium Grafing (jetzt Max-Mannheimer-Gymnasium)

Drei Jahre war am Grafinger Gymnasium kein Sponsorenlauf möglich, 2019 wegen einer Generalsanierung der Schulgebäude (die auch mit viel Phantasie keine sicherheitsmässig vertretbare Laufstrecke erlaubte), 2020 und 21 – natürlich – pandemiebedingt. Dennoch ruhte das Gymnasium nicht, zum Beispiel engagierten sich SchülerInnen und ElterInnen bei einer landkreisweiten Fahrrad-Aktion, aus dem Umfeld des Arbeitskreises „SOR – Schule ohne Rassismus“ gingen immer wieder Spenden ein und vor allem blieb der Kontakt zwischen Frau Th. Hogrefe, der Leiterin des Arbeitskreises, der neu berufenen Schulleiterin Nicole Storz und EFI bestehen.

So konnte am 3. Juni nach langer Abstinenz, aber immerhin auf viel Tradition gestützt (die erste derartige Veranstalung zugunsten von EFI fand am Grafinger Gymnasium bereits 2001 statt) ein Sponsorenlauf mit reger Beteiligung gestartet werden, heuer bei gutem, trockenem, aber nicht zu heissem Wetter. Vom Zieleinlauf ging es für die TeilnehmerInnen nahtlos in die Pfingstferien, alles, was noch kommt (Listen, Zahlen, Beträge) hat Zeit bis in ein paar Wochen.

EFI hofft auf reichen Spendeneingang, neben den Aktivitäten für die Ukraine und für die Ebola- und Corona-Waisen in Sierra Leone bzw. Indien beginnen nun ja langsam auch die klassischen Interplast-Einsätze wieder bzw. im Fall von Haridwar die Vorbereitungen dafür. Im November wird ein kleines Team aus 2020 umgebuchte Tickets nutzen, um nach der EFI-Ausrüstung vor Ort zu sehen, d.h. nach Instrumenten, Änästhesie- und Chirurgiegerätschaften, Op-Leuchten, Op-Tischen, eingelagerten Verbrauchsmaterialien etc., welche wir dem in der Corona-Krise hochgefahrenen Krankenhaus in Haridwar zur Verfügung gestellt hatten. Es wäre keine Überraschung, wenn das eine oder andere Instrument oder Gerät reparaturbedürftig wäre oder sogar ersetzt werden müsste; die Liste der für einen ersten Einsatz nach Corona notwendigen Einmal-Materialien wird auf jeden Fall lang (und teuer) sein.

Herzlichen Dank Frau Storz für die Unterstützung, Frau Hogrefe und dem AK SOR für Vorbereitung, Durchführung und Ausdauer und allen SponsorInnen für ihre Spenden!

Mai 2022 – die Antibiotika sind angekommen, der Nachschub verzögert sich

Mit Intensivierung der kriegerischen Handlungen nicht nur jetzt auch im Westen des Landes sind unsere Materialtransporte schwieriger geworden (Raketen auf Odessa, vermutete Vorbereitung eines Überfalls auf Transnistrien im westlichen Nachbarstaat Moldau – Grösse etwa wie NRW; dieses ehemals rumänisch verwaltete Land gehörte später als Teil der Sozialistischen Republik Moldau und damit Teil der Sozialistischen Republik Ukraine der UdSSR an und hat sich nach Unabhängigkeit der Republik Moldau 1991 ohne völkerrechtliche Anerkennung zu einer selbständigen Republik erklärt. Der vorangehende Bürgerkrieg 1992 gab der russischen Armee die Gelegenheit, das Gebiet faktisch zu besetzen, mit russischer Administration und russischem Geld auszustatten und es faktisch zu annektieren. Die Vorgehensweise unterscheidet sich nicht wesentlich von den Abläufen, die jetzt auf der Krim und im Donbass eingeleitet wurden).

Wir freuen uns deshalb über die gestern eingegangene Nachricht, dass eine Lieferung von Antibiotika (s.o.), um die das Krankenhaus in Mykolajyw gebeten hatte, wohlbehalten ihr Ziel erreicht hat.

Weniger positiv sind die Nachrichten, die wir aus dem deutschen Medizinproduktehandel erhalten. Als Nachwirkung der Corona-Pandemie liegen, wie in vielen anderen Sparten auch, unendliche Mengen von Produkten in lockdown-bedingt blockierten Häfen (z.B. Shanghai, Hongkong, Singapur, Guangzhou; neun der 10 grössten Häfen der Welt liegen in China, von wo wir auch den grössten Teil unserer Medizinprodukte beziehen) in Containern und können nicht annähernd im üblichen Tempo abgewickelt werden. Mit dem Wenigen, was Europa erreicht, werden leider, aber verständlicherweise nicht in erster Priorität Organisationen wie der Ebersberger Förderverein Interplast bedacht, sondern die langjährigen Kunden im öffentlichen Gesundheitswesen. Diese klagen ihrerseits über Nachschubprobleme beträchtlichen Ausmasses. Trotzdem konnten wir zusammen mit der Einkaufsabteilung der Ebersberger Kreisklinik (danke, Frau Werner) und mit „Aktion Medeor e.V.“ in der Nähe von Krefeld Material im Wert von nahezu € 40.000.- einkaufen, welches in den nächsten Tagen geliefert und danach mit einem grossen LKW (wieder vermittelt von der Schweizerischen Osteuropa-Hilfe in Einsiedeln) in die Ukraine schaffen werden. Die finanzielle Last werden EFI und der Verein Begegnungen mit Menschen gemeinsam tragen – wir schaffen das.

Wir hoffen sehr, dass wir in ein, zwei Wochen erneut von einem gelungenen Transport berichten können!

 

Nachtrag Mitte Juni: leider haben einige Medizinproduktehändler unsere Bestellungen zwar entgegen genommen, sich aber kurz danach für unfähig erklärt, die Produkte zu liefern. Als gemeinsamen Grund geben sie die Unterbrechung der Lieferketten durch lockdown Massnahmen im Hafen von Shanghai und anderer chinesischer Städte an. Wie abhängig die europäische Wirtschaft geworden ist bzw. sich gemacht hat, stimmt einen doch nachdenklich – sind wir tatsächlich im Falle eines akuten Bedarfs (es muss ja kein Krieg sein) nicht in der Lage, relativ einfache Waren wie Kompressen, Tupfer, Infusionslösungen, Pinzetten, Heftpflaster u.s.w. verfügbar zu machen?

April 2022 – Antibiotika für Mykolajyw

Während sich die Materialbeschaffung für den zweiten „EFI-LKW“ verzögert (der Medizinproduktehandel ist nicht in der Lage, grössere Mengen zu liefern und sagt uns, es wäre zur Zeit schwierig genug, den laufenden Betrieb der Kliniken in Deutschland zu bedienen), konnten wir über die EFI-Apotheke eine relevante Portion von breit wirksamen Antibiotika beziehen. Um diese waren wir aus der Klinik in Mykolajyw dringend gebeten worden, einer städtischen Klinik, die seit Ende Februar täglich zwischen zehn und 20 akut durch Kriegshandlungen Verletzte behandelt. Die Medikamente im Wert von einigen Tausend Euro werden Ende der Woche von einem Bekannten des schon genannten ukrainischen Kollegen privat in die zunehmend russischen Angriffen ausgesetzte südukrainische Grossstadt gebracht werden.

Schon die Corona-Pandemie hatte schlagartig gezeigt, dass die Medikamentenversorgung (und auch die mit anderen im Gesundheitswesen erforderlichen Materialien wie Masken, Kittel, Desinfektionsmittel etc.) sehr fragil und höchst störanfällig ist. Grosse bis grösste Teile der Produktion (in der Pharmazie z.B. fast 90%, bei Standardmedikamenten sogar 100%; vor allem auch bei Ausgangsstoffen) finden in Indien, China und weiteren Ländern des asiatischen Ostens und Südostens statt, wo die Herstellung dank niedrigen Löhnen und leider auch – da will keiner so genau hinschauen – niedrigeren Umweltstandards kostengünstiger ist. Es herrscht kaum Dissens, dass diese „Kostengünstigkeit“ eine sehr kurzsichtige Angelegenheit ist; die Gefährdung der Gesundheit ganzer Bevölkerungen zur Herstellung von Medikamenten zur Verbesserung der Gesundheit anderswo auf der Welt ist kein Einzelbeispiel, aber jedenfalls von bemerkenswertem Zynismus.

Ob sich die industrielle Entwicklung zurück drehen lässt mit Dezentralisierung  und Rückverlagerung der Produktionsstätten an den Ort des Bedarfs (z.B. EU oder kleiner), ist sehr fraglich – jedenfalls ist es keine Angelegenheit von ein paar wenigen Jahren.

Die Spende an Nahtmaterial ist wie gesagt (s.o., Aktuelles) heil eingegangen, das Dankschreiben der Klinik hängt dieser Meldung an:

„Die Verwaltung von KNP MMR „City Hospital of Ambulance“ von Nikolaev drückt Respekt und Dankbarkeit dem deutschen Volk und Ihnen persönlich fur die Unterstützung des Widerstands des ukrainischen Volkes gegen die russische Aggression aus. Unser Krankenhaus ist eine fortschrittliche medizinische Einrichtung, die seit Kriegsbeginn mehr als 800 zivilen Opfern und Verwundeten geholfen hat. Das Krankenhauspersonal ist dankbar für jede Hilfe, die wir von der Europäischen Union erhalten. Wir fühlen uns wie ein Mitglied Ihrer großen Familie. und wir streben nach Frieden und Entwicklung in europäischen Ländern ohne die Schrecken des Krieges und die Zerstörung von Städten. Wir hoffen, dass wir Ihnen und Ihrem Vaterland in jedem Fall nützlich sein werden.

З повагою, Директор КНП ММР «Міська лікарня швидкої медичної допомоги“

 

April 2022 – mehr ist in Arbeit, alles was wir können

Der Krieg, den Russland offenbar unter Lügen und Täuschungsmanövern in die Ukraine getragen hat, sprengt inzwischen alle Dimensionen der Grausamkeit, der Menschenverachtung und des Zynismus. Ein Mörder, der am Tatort neben einer Leiche eine Waffe, Fingerabdrücke und DNA hinterlassen hat, wird mit der Behauptung, das Opfer habe all das arrangiert, nicht besonders weit kommen. Wie zynisch ist es, Menschen, Zivilisten, „Nichtkombattanten“, zu foltern, zu vergewaltigen, zu töten und in Massengräbern zu vergraben und dann zu behaupten, das hätten ihre Angehörigen und Nachbarn getan?

Die  Gründe, dass sich die NATO oder andere zivilisierte Nationen nicht direkt mit kriegerischen Methoden involvieren, sind zahleich und nachvollziehbar. Gerade wenn offensichtlich moralische Bedenken keinerlei Rolle spielen, ist das Risiko einer weiteren, nicht auszudenkenden Eskalation real. Dennoch ist es schwer zuzusehen, wie das Morden weitergeht und uns nur bleibt, Verletzungen, Hunger, Obdachlosigkeit, Angst und seelische Traumen schwerster Art zu lindern, wo wir sie verhindern sollten. Die Abwägung zwischen der Chance, den brutalen Krieg mit Verzicht auf jeden Handel mit Russland zu verkürzen und schliesslich zu beenden einerseits und der Gefahr eines höheren Benzinpreises und einer zwei Grad weniger überwärmten Wohnung andererseits kann ich überhaupt nicht verstehen – was gibt es da zu überlegen? Stehen Komfort, unbegrenztes Rasen auf der Autobahn oder ein wirtschaftlicher Rückgang, wie ihn zuletzt die US-Immobilienblase 2007 hervor gebracht hat, auf irgendeiner Werteskala höher als Tausende oder Zehntausende Getötete, Gefolterte und Vergewaltigte?

Das Wenige, was wir tun können, tun wir aber mit Überzeugung und mit der Hoffnung, ein kleines Bisschen Hilfe bringen zu können und ein Zeichen zu senden, dass wir Deutschen egal, wie sich die „hohe“ Politik präsentiert, solidarisch sind mit den Angegriffenen im Fast-Nachbarland Ukraine.

EFI hat – aus Spenden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisklinik EBE, aus teils beträchtlichen Spenden von langjährigen Förderern und aus der Industrie über die bereits ausgegebenen hinaus weitere Mittel eingeworben und bereitet gerade einen zweiten 40-t-LKW für denTransport vor. Der Partnerverein „Begegnungen mit Menschen e.V.“ aus dem Wasserburg Raum, der schon bei der Durchführung des ersten Grosstransports wesentlich geholfen hat, rechnet mit etwa € 20.000.- aus Solidaritäts-Veranstaltungen kultureller und sportlicher Art am vergangenen Wochenende, so dass wir wohl in der Lage sein werden, den LKW mit wichtigem und bitter benötigtem medizinischem Material zu füllen.

 

Auch Ihre Spenden sind herzlich willkommen!

Nachtrag: das Nahtmaterial (s. „Aktuelles“) hat noch vor Ostern, genau gesagt am Gründonnerstag 14-04-22, ohne Zwischenfälle die Klinik in Mykolajyw erreicht

 

April 2022 – Nahtmaterial ist unterwegs nach Mykolajyw

In enger Zusammenarbeit mit der Kreisklinik Ebersberg konnten wir innerhalb weniger Tage über 2.000 chirurgische Fäden incl. Nadeln in verschiedenen Stärken und teils aus selbstauflösendem, teils aus lang haltbarem Material beschaffen – ein herzliches Dankeschön an Einkaufsleiterin Frau Werner und auch an Frau Jäger von Fa. B. Braun in Melsungen für grosszügige Rabatte in Form von hohem Preisnachlass und zusätzlichem Naturalrabatt!

Dr. Kobetskyi aus der Chirurgie-Abteilung in Ebersberg kümmert sich um den Transport, der am 11. April aus der Kreisklinik mit einem Privatfahrzeug abgegangen ist und hoffentlich die mehr und mehr unter Beschuss stehende Stadt schon erreicht hat. Wir warten gespannt auf Nachricht.

Mit 2.000 Päckchen Nahtmaterial kommt bei sparsamem Umgang ein Haus der Grösse der Ebersberger Kreisklinik einen Monat lang aus, wir wünschen den Kolleginnen und Kollegen in Mykolajyw eine sichere Hand. Und wünschen uns allen, dass diese und alle folgenden Spenden so bald als möglich nicht mehr für Granatsplitterverletzungen und Minenschäden verwendet werden müssen, sondern einer Nutzung in baldigen friedlichen Zeiten zugeführt werden können.

März 2022 – EFI tut was möglich ist

Fünf Wochen dauert der sinnlose und grausame Krieg bereits, den Russland unter seinem Despoten aus Gründen, die im 21. Jahrhundert in Europa niemand mehr nachvollziehen kann, in das Nachbarland Ukraine getragen hat. Wenn die russische Bevölkerung wüsste, was sich in ihrem Namen dort abspielt, würde sie nie und nimmer zustimmen; die Bevölkerung wird aber nicht gefragt, sondern nach Kräften desinformiert, mit Lügen und falschen Behauptungen versorgt und von nachprüfbarer Information fern gehalten. Oder, wenn all das nicht genügt, auf offener Strasse verhaftet und weggesperrt.

Selbstverständlich ist auch nicht alles, was wir aus den Medien über die ukrainische Situation erfahren, hundertprozentige und unbeeinflusste und untendenziöse Wahrheit, das wissen wir so gut wie unsere ukrainischen Freunde (und auch unsere russischen Freunde hier in Ebersberg und München). Aber: dass mit militärischen Mitteln gegen Städte und Einrichtungen militärischer und ziviler Art vorgegangen wird, daran besteht kein Zweifel, und dass dies in der Ukraine stattfindet und nicht in Russland, das steht ebenso ausser Frage. Wer Bomben wirft und mit Panzern Grenzen überschreitet, ist NIEMALS im Recht.

EFI hat mittlerweile Nachricht, dass unser erster Transport vollständig und wohlbehalten in Lutsk (Grösse wie Mainz oder Lübeck) angekommen ist und auf mehrere Krankenhäuser verteilt wurde (s. „Aktuelles, Februar“). Über die Münchener Ukrainische Gemeinde (eine persönliche Verbindung dorthin besteht über einen Kollegen der Ebersberger Kreisklinik) wurde vor ein paar Tagen ein Transport nach Saporischschja angekündigt (eine grosse Stadt, etwa so gross wie Stuttgart, im Südosten des Landes am Dnjepr). Diesen Transport haben wir anhand einer Wunschliste des dortigen Klinikums mit verschiedenen Medikamenten, Infusions- und Plasmaersatzlösungen ausgestattet, die unser Mitglied Dr. Detterbeck in der Apotheke rasch besorgen konnte, welche seit Jahren unsere Interplast-Einsätze zu sehr günstigen Konditionen versorgt. Der Wert dieser Spende dürfte um die 8-10.000 € Euro liegen (die Rechnung steht noch aus, wir hoffen auf Milde).

Mit den Wasserburger Freunden vom Verein „Begegnungen mit Menschen“ planen wir auf Hochtouren, einen weiteren LKW mit medizinischem Material auszurüsten, das zum grössten Teil wieder über die Kreisklinik Ebersberg zu günstigen Preisen gekauft werden kann. Dank der erfolgreichen (und noch laufenden; s. „Aktuelles, Februar 22“) Spendenaktion, an die sich inzwischen Aktionen im Rosenheimer Raum und in Wasserburg angeschlossen haben, hoffen wir, bald ein Spendenvolumen von weiteren ca. € 20.000.- verfügbar zu haben. Damit lässt sich doch allerhand Material beschaffen, wenn man sich auf die tatsächlichen Notwendigkeiten besinnt, z.B. Verbandsmittel, Pflaster, chirurgisches Nahtmaterial incl. Pinzetten, Scheren und Nadelhalter, dazu Blutersatzmittel, Infusionen und Zubehör, um nur Einiges zu nennen. All das ist auch schnell verbraucht, aber wir sind ja nicht die einzige Organisation, die sich um Nachschub bemüht.

Über eine weitere persönliche Beziehung (auch in der Ebersberger Klinik sind russische und ukrainische Ärzte beschäftigt, die in völliger Übereinstimmung an einem Strang ziehen) haben wir Kontakt zur Zentrale des Kuratoriums für Heimdialyse aufgenommen, weil ein Freund und Kollege in Kiew (doppelt so gross wie München) eine Dialyseabteilung leitet und um Hilfe bei der Beschaffung von speziell erforderlichen Verbrauchsartikeln gebeten hat (Schlauchsysteme, spezielle Lösungen). Sobald Spezifikationen geklärt sind und Transportwege feststehen, werden wir unser Möglichstes tun.

Schliesslich hat ein weiterer persönlicher Bekannter, Chirurg in einer grossen Klinik in Mykolajyw (südliche Ukraine, nicht weit vom Schwarzen Meer halbwegs zwischen Krim und Odessa und damit besonders umkämpftes Gebiet; Grösse etwa wie Nürnberg oder Hannover) dringend um Hilfe mit Nahtmaterial und Op-Instrumenten gebeten. Wir versuchen, eine wenigstens vorübergehend entlastende Menge so rechtzeitig zu beschaffen, dass sie mit einem Privatwagen transportiert werden kann, der Ende nächster Woche auf den gefährlichen Weg gehen wird.

Aus mehreren Gründen achten wir darauf, dass unsere Verbindungen möglichst über private Beziehungen ablaufen oder wenigstens abgesichert sind. Zu viele Nachrichten, ob immer zutreffend oder nicht, sprechen davon, dass nicht nur humanitär Aktive unterwegs sind, sondern auch genug Menschen, die aus den entstandenen Notlagen Gewinn ziehen wollen, auch wenn es sich um Landsleute handelt (auch in Deutschland wird die überwältigende Merheit der Straftaten von Deutschen an Deutschen verübt). Ich  erinnere an die nicht immer erfolglosen Versuche an den Ankunftsbahnhöfen, vor allem jungen Frauen mit dem Versprechen von Wohnung und Hilfe die Pässe abzunehmen; der Verlauf ist danach derselbe wie beim „normalen“ Menschenhandel, nur dass die Mühe mit dem Transport aus dem Herkunftsland nach Deutschland wegfällt. Es ist also durchaus vorstellbar, dass gespendetes Material nicht wie geplant seinen Weg an den Ort des Bedarfs findet, sondern auf dem Schwarzmarkt auftaucht oder sogar ins Ausland weiter verteilt wird. Letztlich wird mit einer Mullkompresse niemand Schaden anrichten und jedem, der sie benötigt, sei sie vergönnt. Die Absicht ist aber, die Kriegsgeschädigten zu unterstützen, und deshalb lassen wir die mögliche, wenigstens die in der gebotenen Eile mögliche Vorsicht walten.

Danke an alle Spenderinnen und Spender, und bitte nicht nachlassen!

 

Februar 2022 – der verdammte Krieg

Als ob es nicht schon schwierig genug auf der Welt wäre mit Seuchen, Klimakatastrophe und Umweltverschmutzung und mit der aus alledem resultierenden Migration, meint jetzt ein offenbar nicht mehr ganz an der Realität orientierter Potentat, er müsse aus Gier, verletztem Stolz, Grossmachtsphantasien oder warum auch immer wie schon vor acht Jahren erneut über ein Nachbarland herfallen. 40 Millionen Menschen leben in der Ukraine (und nicht im Überfluss), deren „Vergehen“ darin besteht, politisch anderer Meinung zu sein als der mächtige Nachbar (nur was das Waffenpotential angeht; ansonsten ist Russland nur ein respektierter Teilnehmer am Wirtschaftsleben, weil es über – endliche – Rohstoffe verfügt).

Uns alle, die wir nach dem Zweiten Weltkrieg geboren sind und Szenen, wie sie sich jetzt im Osten Europas abspielen, nur aus den Erzählungen unserer Eltern kennen – Flucht zu Fuss mit einem Koffer und nicht mehr, ungewisses Ziel irgendwo, nur nicht in der Heimat; Hunger; junge Leute, die sich hinter Sandsäcken vor Streubomben zu schützen versuchen und sich mit Brandsätzen aus Styropor und Benzin wehren gegen eine gepanzerte Übermacht wie aus dem Herrn der Ringe – hat dieser Horror unvorbereitet getroffen. Dass solche Bilder im 21. Jahrhundert möglich sind, kann jemand meiner Generation (geboren 1950 und seitdem unter Goldilocks-Bedingungen aufgewachsen, erwachsen und schliesslich alt geworden) nicht verstehen.

Zusammen mit den langjährigen Partnern von „Begegnungen mit Menschen BMM e.V.“ aus Wasserburg, namentlich dem Vorsitzenden Andreas Bauer, und der Kreisklinik Ebersberg gemGmbH (besonders aktiv und verlässlich schon wieder Frau Doris Achtert, die Leiterin der Internen Organisation; s. auch Aktuelles, „Bettentransporte“) hat EFI schon in den letzten Februar-Tagen einen LKW-Transport organisiert, der EFI-Lagerbestände, über die Klinik beschafftes medizinisches Material, Medikamente und Nahrung sowie weitere Fracht aus den Kliniken Rosenheim und Erding im Gesamtgewicht von vielen Tonnen Richtung Ukraine schaffte. Bereits am 4.März, als viele andere NGO´s noch mit dem Formulieren von Spendenaufrufen befasst waren, waren unsere Spenden an der polnisch-ukrainischen Grenze in Chelm-Srebrzyszcze eingetroffen und von dort in kleineren Fahrzeugen ins Ukrainische Lutsk ganz im Nordwesten geschafft worden.

Wir hatten uns grosse Eile auferlegt, weil nach früheren Erfahrungen die Transportkapazität auf der Strasse rasch zusammen bricht, wenn aus allen Richtungen Hilfstransporte eintreffen; und weil zu befürchten war, dass gerade die grösseren Städte, aus denen uns gezielt Hilferufe zugegangen waren, nicht mehr lange erreichbar sein würden. Die westukrainische Grossstadt Lwiw steht heute (15. März) bereits unter Raketenbeschuss und Artilleriefeuer; sie war zunächst als Umschlagplatz für Waren und Flüchtlinge vorgesehen, weil sie aus Polen, Ungarn, der Slowakei und Rumänien gut zu erreichen ist. Auch aus Belarus, aber von dort wird nicht mit Hilfsgütern gerechnet, im Gegenteil.

Die Kreiskinik Ebersberg hatte spontan ein Geldvolumen von € 10.000.- zur Verfügung gestellt und sehr zügig mit ihren Lieferanten besprochen, dass für diese Aktion die Klinik-Einkaufspreise in Anspruch genommen werden könnten – danke dafür an GF Stefan Huber und „Finanzminister“ Klaus Köller! Die Ausgaben, die über diesen Betrag hinaus gingen, werden von EFI getragen, die Transportkosten i.H.v. ca. € 3.000.- übernahm der Verein BMM.

Und noch darüber hinaus folgte ein Klinik-interner Spendenaufruf, über den incl. Mundpropaganda im Familien- und Freundeskreis mittlerweile mehr als € 12.000.- eingegangen sind. Die Geschäftsführung der Kreisklinik hat angekündigt, den von Klinikangehöigen gespendeten Betrag zu verdoppeln – eine grossartige Geste, allen Respekt dafür.

Nach Kassensturz und nach Entwicklung der Lage in der Ukraine werden wir in Abstimmung und zusammen mit der Ebersberger Klinik entweder einen weiteren LKW ausrüsten oder den entsprechenden Betrag einer qualifizierten NGO übergeben (angedacht ist Aktion Medeor) oder, wenn die Hilfslieferungen von den grossen Organisationen wie UN, THW, RK etc. für ausreichend gehalten werden, die Mittel für die Unterstützung und Integration von Ukraine-Flüchtlingen im Landkreis verwenden. Und mit aller Kraft weiter sammeln und nicht aufhören, den von Russlands Diktator vom Zaun gebrochenen Krieg lautstark anzuprangern.

 

Februar 2022 – ein neues Projekt in Ostindien

Die Gruppe um Frau Dr. Barbara Dünzl, frisch berentetes neues Interplast-Ehrenmitglied ohne Anzeichen von Ruhestand, plant mit den langjährigen Partnern des Augustiner-Ordens die Errichtung eines kleinen Gesundheitspostens in einem der ferneren ostindischen Staaten, in Meghalaya.

Schwester Julia, mit der EFI auch schon im Bundesstaat Madhya Pradesh in den Orten Sendhwa und Kandhwa wiederholt zusammen gearbeitet hat (s. „Aktuelles“) und u.a. zur Errichtung einer Photovoltaik-Anlage, zur Beschaffung eines Krankenfahrzeugs, einer Anzahl von Rollstühlen, eines hochwertigen Ultraschallgerätes, diverser Op-Geräte und zuletzt im Rahmen der Covid-19-Pandemie einer Sauerstofferzeugungs-Einrichtung beitragen konnte, ist vom Orden mit diesem Projekt beauftragt worden und hat dazu Frau Dr. Dünzl ins Boot geholt.

 

 

Meghalaya ist einer der sog. „ostindischen“ Staaten, liegt also östlich des Flaschenhalses im Norden von Bangla Desh, der in den Köpfen vieler Inder das richtige Indien von den armen Verwandten drüben im Osten trennt. Meghalaya ist etwa so gross wie Hessen und hat gut 3 Millionen Einwohner; wie in den Nachbarstaaten Nagaland und Mizoram überwiegen die Christen, Naturreligionen sind so verbreitet wie der Hinduismus. Wenig bekannte Besonderheiten sind das in Meghalaya herrschende Matriarchat, das sich auf Abstammung, Namensgebung etc. bezieht, aber auch z.B. auf Landbesitz und Erbrecht. Bei nur etwa 20% Stadtbevölkerung und weit überwiegend selbstversorgender Landwirtschaft sind Standardzahlen wie BIP/Kopf nicht wirklich aussagekräftig. In der offiziellen Statistik liegt Meghalaya mit 1.400 US$ pro Kopf und Jahr auf dem 24. von 28 Rängen. Aus eigenem, wenn auch nicht mehr ganz aktuellem Eindruck schienen die Ostindienstaaten Assam, Arunajal Pradesh oder Nagaland nicht offensichtlich auch nur annähernd so arm wie Bihar, Madhya Pradesh oder Odisha im „richtigen“ Indien.

 

EFI hat die Bereitstellung von ca. € 15.000.- zugesagt und zum Teil schon an den projektführenden Orden überwiesen, um den Beginn der Bauarbeiten zu ermöglichen. Gut die Hälfte dieses Betrages wird in den nächsten Monaten in Form von projektgebundenen Spenden eingehen, wie seit Jahren zuverlässig aus eigenen bzw. im Regensburger Raum eingeworbenen Spenden von Barbara Dünzl. Viel Glück für die engagierte, erfahrene und diplomatische Sr. Julia!

 

Februar 2022 – weitere finanzielle Hilfe für Haridwar

Viele unserer treuen Spenderinnen und Spender haben auf die Berichte, die wir zum Jahresende versenden, positiv reagiert und für die Erweiterung unseres wichtigsten Projektes im nordindischen Haridwar mit weiteren Spenden abgestimmt. Vorläufig plant EFI nicht, an den Einsatzorten in Haridwar und Noida übliche Operationscamps abzuhalten, weil die Schwerpunkte gerade auch in Indien, wo im Moment eine sehr starke Omikron-Welle anläuft, auf anderen brennenden Problemen liegen – in den Berichten des vergangenen Jahres sind wir darauf eingegangen, die Befürchtungen haben sich leider bestätigt. EFI wird erst wieder in klassischer Interplast-Manier tätig werden, wenn die Partner vor Ort es für angezeigt und sinnvoll halten, einstweilen, und so haben wir das explizit vereinbart, ruhen die entsprechenden Planungen (obwohl sie in unser aller Hinterköpfen präsent sind und sich oft genug nach vorne drängen).

Aus den zusätzlichen Spenden haben wir letzte Woche erneut € 20.000.- überwiesen, bestimmt zum Betrieb des Waisenhauses und der angeschlossenen Schule und für den Unterhalt der Corona-Waisen. Von unseren örtlichen Freunden, vor allem Rima und Rajiv Bhalla, werden die Mittel (neben reichlich Mitteln aus ihrer und der privaten Schatulle vieler Rotarier-Freunde) bestmöglich und verantwortungsvoll eingesetzt. Darüber erreichen uns auch regelmässig Berichte. Es ist gut, solche Partner zu haben.

November 2021 – die Strassenkinder in Lunsar/Sierra Leone

Seit Jahren kümmert sich EFI-Mitglied Doris Sixt aus Ebersberg im Anschluss an das frühere EFI-Hauptprojekt  in Lunsar/Sierra Leone (s. unter „Hauptprojekte“) nicht nur als kompetente Laborchefin und -ausbilderin um die Mikrobiologie im St.-John-of-God-Krankenhaus in Lunsar, sondern auch „nebenher“ über eine kleine Gruppe vertrauter Partner um Waisenkinder, die ihre Eltern durch die Ebola-Endemie vor mittlerweile acht Jahren oder aus anderen Gründen verloren haben.

Westafrika ist natürlich genauso wenig wie irgendeine andere Weltregion von Covid-19 verschont geblieben und hat, wie jede andere Weltregion, neben den gesundheitlichen auch einschneidende wirtschaftliche und soziale Verwerfungen erfahren. Im Fokus der mit 2G-, 3G-, Konzertöffnungen und Wintersportsaison bzw. Impfnebenwirkungen und Freiheitsrechten stark ausgelasteten Mitteleuropäer stehen diese noch lange nicht überwundenen Bedrohungen nicht, von denen auch längerfristig Auswirkungen auf Armut, Alphabetismus, Bürgerkriege und Migrationszwang zu befürchten sind.

EFI konnte in den letzten Jahren für diese Waisenkinder, bei denen es neben Unterkunft und schulischer Ausbildung manchmal nur ganz einfach um die Beschaffung der Grundnahrungsmittel für den nächsten Tag geht (und nicht immer erfolgreich), fast € 20.000.- beisteuern, überwiegend aus von Frau Sixt zweckgebunden eingeworbenen Spenden. Zuletzt wurden einige Tausend Euro im November 21 persönlich überbracht und ihrer satzungsgemässen Verwendung zugeführt – danke, liebe Doris, für Deinen enormen persönlichen Einsatz in Zeiten mehr als hoher beruflicher Anspannung und erhöhter Schwierigkeit rundum!