Haridwar in Indien

Haridwar in IndienHaridwar ist einer der heiligsten Orte in Indien; die Stadt befindet sich dort, wo der heilige Fluss Ganges den Himalaya verlässt und in die nordindische Ebene eintritt. Jedes Jahr wird Haridwar von Millionen Pilgern besucht, die dort ein spirituelles Bad in der „Mutter aller Flüsse“ nehmen.

Alle 12 Jahre findet unter dem Namen Kumbh Mela ein religiöses Festival statt, zu dem sich innerhalb von ca. drei Wochen 20 bis 30 Millionen Pilger einfinden, eine gewaltige organisatorische und logistische Aufgabe für eine Kleinstadt von gerade 200.000 Einwohnern.


10. Interplast-Einsatz 2018 – Ein Jubiläum!

Das erste, schon damals vielversprechende Interplast-Camp in Haridwar hatte EFI e.V. im Jahre 2008 auf die Beine gestellt – der Bericht ganz am Anfang dieser Seite war knapp, aber schon mehr als zuversichtlich.

Dass sich ein langjähriges Projekt mit immer wieder verbesserten Abläufen, Modellen für andere Camps und vor allem mit echten Freundschaften zwischen den dortigen Rotariern und den Interplast-Gästen, aber auch innerhalb der wechselnden Teams entwickeln würde, war noch nicht abzusehen. „Zwischen indischen Gastgebern und deutschen Gästen“ wollte ich schreiben, aber unter den Gästen, die über die Jahre an den Teams mitwirkten, waren oder sind inzwischen auch Medizin-Profis aus Spanien, Österreich, Italien und Indien selbst. Mit dem Projekt in Noida zeichnet sich ab, dass ein weiterer Einsatzort nach Haridwar-Muster entsteht, auf welche Dauer lässt sich nicht vorhersagen, aber immerhin in wenigen Wochen schon zum dritten Mal und ebenfalls mit guter Perspektive.

Die Liste der Team-Mitglieder bei den zehn Einsätzen ist gleichzeitig lang und kurz (elf Jahre 2008 bis 2018: 2013 wurde der Einsatz kurzfristig abgesagt, weil der Norden Indiens von verheerenden Überschwemmungen heimgesucht worden war; nicht nur war auch die am Ganges gelegene Stadt Haridwar selbst schwer betroffen. Vielmehr war alle Kraft der Rotarier und anderer humanitärer Vereinigungen in der Region mit der Verhinderung weiterer Schäden und der Milderung der Folgen schon entstandener Schäden absorbiert, die langfristigen Rettungsmassnahmen wie Bau von Wohnraum, von Schulen und lebenswichtiger Substruktur laufen noch immer. Allergrößten Respekt vor der menschlichen Größe, dem Einsatzwillen und der Effizienz unserer Haridwarer Freundinnen und Freunde, die, wenn es wirklich brennt, nicht nach dem Staat oder sonst irgend jemand rufen, sondern ihre Kompetenz,  ihren guten Willen, ihre verzweigten Netzwerke und nicht ganz wenig von ihrem eigenen Geld in die Hand nehmen, um anzupacken und da zu helfen, wo es gerade am nötigsten ist).

Haridwar 2018

Haridwar 2018

Diese Liste umfasst insgesamt 38 Personen, 17 davon ChrirugInnen, 6 Anästhesie-ÄrztInnen, 6 Op-Schwestern/Pfleger und ebensoviele Anästhesie-Schwestern. Die außerordentliche Konstanz (7 der Teilnehmer waren sechsmal und öfter mit dabei) spricht für ein besonders stabiles Team, was sich vor allem auch in dem geringen Wechsel in der Teamleitung ausdrückt (8x Frau Dr. Fromberg – Chirurgie, 6x Hajo Schneck, 8x Dr. Detterbeck – Anästhesie). Dasselbe gilt für die Op-Pflege, die mit nur einer Ausnahme seit 2008 von nur vier Schwestern/Pflegern bestritten wird. Solche Zahlen hat kaum ein anderes Projekt aufzuweisen.

Natürlich haben auch die Gastgeber einen ganz hohen Anteil an dieser Stabilität. Vom ersten Jahr an haben sie nicht nur für alle von uns gewünschten medizinischen Vorbereitungen gesorgt, sondern statt diese Vorgaben zu befolgen, praktisch jedes Jahr Verbesserungen überlegt, abgesprochen und umgesetzt, die wir uns niemals erhofft hätten (wenn wir daran gedacht hätten). So gibt es mittlerweile ein gut funktionierendes Wiederbestell-System, das es uns ermöglicht, Patienten aus den Vorjahren zu weiteren Eingriffen wieder zu sehen, die langfristigen Ergebnisse zu beobachten und zu beurteilen und daraus prinzipielle Schlüsse zu ziehen. Beispielsweise betreiben die Gastgeber eine „Telefon-Hotline“, über die sich ehemalige PatientInnen melden oder neue zur Vorstellung anmelden können. Patienten, die beim jährlichen Patientescreening als behandlungsbedürftig, aber entweder nicht akut oder aktuell nicht mehr im Op-Programm unterzubringen deklariert wurden, erhalten bevorzugte „slots“ auf der Planungsliste für das Folgejahr etc. – jeder einzelne Schritt einfach, aber mit großem Aufwand verbunden und nur denkbar, wenn die Beteiligten es mit ihrem Bemühen um optimale Nutzung der von uns zur Verfügung gestellten Expertise, Zeit und Arbeitskraft ernst meinen. An keinem anderen meiner bisherigen gut 20 Einsatzorte habe ich derartiges erlebt.

Auch die „kleinen“ Dinge imponieren und machen nachdenklich. Kann sich jemand vorstellen, dass der Vorstandschef und Eigentümer eines DAX-Konzerns im Zusammenhang mit seiner Mitgliedschaft in einem humanitären Verein wie den Rotariern zwei Wochen lang täglich um 7:00 morgens persönlich Gebäck zum Frühstück und aktuelle Tageszeitungen einkauft, sie in ein Hotel bringt und dort zusammen mit einem NGO-Team aus dem fernen Ausland frühstückt, die Tagespolitik und Persönliches diskutiert und nach Verbesserungsvorschlägen, möglichen Hilfestellungen und den Wünschen zum Abendessen fragt, bevor er das Team mit seinem Privat-PKW in die Klinik bringt? Das erleben wir in Haridwar in der Person eines CEO´s einer Firma mit mehr als 10.000 Angestellten und einem schwindelerregenden Jahresumsatz jedes Jahr, danke, lieber Rajat und Du musst Dich nicht entschuldigen, wenn es einmal eine Tag nicht klappt. Eine entsprechend aufgestellte Persönlichkeit in Deutschland würde mit Sicherheit im günstigsten Fall den Chauffeur beauftragen, einmalig zum Fototermin mit der Presse posieren und all das als „commitment“ bezeichnen. Gerne lasse ich mich mit gegenteiligen Beispielen überzeugen, dass ich mich täusche.

Den 10. Einsatz in der ersten Novemberhälfte bestritt unter Leitung von Frau Dr. Gaby Fromberg, Murnau (Plast. Chirurgie) und Dr. Wolfgang Detterbeck, Breitbrunn (Anästhesie) ein zehnköpfiges Team, darunter wiederum nur ein „Novize“!

nach der OP – Haridwar 2018

vor der OP – Haridwar 2018

Diesmal war die Überwindung besonders hoher administrativer Hürden notwendig – insgesamt wurden dem Medical Council of India, das etwa der Deutschen Bundesärztekammer entspricht, über 4 cm Papier vorgelegt, und zwar angegeben als Höhe des Stapels. Neben formalem Entsendungsschreiben von EFI, detaillierter Einladung durch den gastgegebenden Rotary-Club und die Gesundheitsbehörde von Haridwar sowie die Krankenhausleitung (weitere 12 mm inclusive amtlich-indisch bestätitgtem Gemeinnützigkeitsnachweis und Lebenslauf des Vorstands) waren erstmals Fingerabdrücke zur Erlangung eines Arbeitsvisums notwendig, ein Aufwand, der für die Betreffenden mit Fahrt nach München, Wartezeit und Rückfahrt durchaus beträchtlich (und lästig) war – Schliessung der Praxis, Absprache mit den KollegInnen etc., also kein Spass. Und es versteht sich, dass das Arbeitsvisum auch mit höheren Gebühren verbunden ist als das bisher genutzte Touristenvisum.

Anlass für diese Umstände war zunächst, dass andere Interplast-Teams wegen Bemängelung der seit fast 30 Jahren immer gleich vorgelegten Visa bzw. schwer zu erklärender Diskrepanz zwischen Einreisegrund und Kofferinhalt teils unmittelbar wieder den Rückflug antreten mussten oder vor Ort mit erheblichem, den Camp-Ablauf stark einschränkendem Aufwand mit der örtlichen Polizei zu tun bekommen hatten. Der dahinter liegende Grund könnte eine politisch gewollte Erschwerung der Arbeit ausländischer NGO´s sein, sei es aus Stolz („wir sind doch kein Dritte-Welt-Land“ etc.), sei es im Rahmen der unter der neuen BJP-Regierung Narendra Modi hinduistisch-nationalistisch gewordenen Gesamtpolitik.

Sobald diese Hürden also überwunden waren (die Geduld und Zähigkeit vor allem von Drs. Fromberg und Detterbeck, die das Gros der Probleme angenommen und gelöst haben, war bewundernswert – danke dafür, das ist nicht selbstverständlich), konnte das zehnköpfige Team reibungslos einreisen und in schon gewohnter Manier neben den Jubiläumsfestlichkeiten das Op-Camp mit erstaunlichen 173 Eingriffen ohne jede Komplikation durchführen. Das Operationsspektrum war dasselbe wie seit Jahren, Verbrennungsfolgen und Fehlbildungen; die alljährliche Anwesenheit des Teams am oberen Ganges ist mittlerweile weithin bekannt und die Anmeldungen beim Rotary-Team übersteigen nun jedes Jahr die Kapazitäten, zumal Zweiteingriffe und bei der Vorstellung auf das Folgejahr vertröstete PatientInnen regelmässig bereits die halbe Op-Liste füllen, noch vor der erste Neu-Patient untersucht worden ist.

Haridwar bleibt also ein stabiler Einsatzort, und ich glaube mit Recht sagen zu können, dass es sich zu einem Modell für langfristig angelegte humanitäre Hilfe entwickelt hat – für uns selbst (s. Noida-Projekt), aber auch für andere Teams. Danke allen langjährigen SpenderInnen und natürlich allen Aktiven!


Ebersberger Förderverein Interplast e.V. - EFI e.V. - Haridwar 2017

Der Grund für viele schwere Verbrennungen: offenes Feuer

9. Interplast-Einsatz 2017

Mit wieder über 200 Operationen und fast 300 untersuchten PatientInnen (darunter, und das ist immer eine besonders befriedigende Situation, etwa ein Dutzend in den Vorjahren Behandelte mit Familienmitgliedern oder Freunden, um auch ihnen einen Eingriff zu ermöglichen) war der neunte Einsatz in Haridwar ein ebenso großer Erfolg wie ausnahmslos alle vorangegangenen. Viele der Untersuchten – dank der mittlerweile wirklich großen Expertise der Rotarier, die das ganze Jahr über die „Interplast helpline“ betreuen und sich regelmäßig mit mehr als 500 Anrufern auseinandersetzen, stellen sich praktisch nur noch operationswürdige Patienten vor – wurden mangels weiterer Kapazitäten direkt für nächstes Jahr gelistet. Vielleicht ergibt sich mit dem Projekt in Noida, welches sich zu etablieren scheint, eine gute Möglichkeit, die Wartezeiten für dringende Eingriffe zu halbieren. Zwei Beispiele aus der Arbeit dieses Jahres:

Haridwar_Munni_EFI 2017

Hardiwar 2017: Munni kann mit ihren operierten Händen malen

Munni zu erleben, erfreut das Team jedes Jahr aufs Neue. Das Mädchen mit den zu Klumpen verbrannten Händen, das wir bereits im dritten Jahr in Folge operieren, konnte dieses Jahr problemlos mit einem Kugelschreiber malen und mit der anderen Hand zügig Gummibärchen aufheben und zum Mund führen. Daran wäre vor 3 Jahren nicht zu denken gewesen. Wachstums- und kontrakturbedingt waren bei ihr weitere Korrekturen an Händen und Auge erforderlich. Auch im nächsten Jahr werden wir sie hoffentlich wiedersehen und ihr ein Stück weiter in ein einfacheres Leben helfen können.

Ali, dessen rechter Arm und Hand durch Verbrennungsnarben ursprünglich nahezu bewegungsunfähig am Brustkorb verbacken gewesen war, wurde 2016 operiert und in den für ihn notwendigen aktiven Bewegungsübungen unterwiesen. Diesmal stellte er sich mit erstaunlichen Verbesserungen vor, es erfolgten weitere Korrekturen an Ellbogen und Handgelenk – wir sind auf seinen Zustand in 2018 gespannt, den er uns sicher zeigen wird.
EFI - Team Hardiwar / Indien 2017

EFI – Team Hardiwar / Indien 2017

Das Team bestand mit Ausnahme von Sabine Salomon aus Murnau, die erstmal mit von der Partie war und sich mit organisatorischen Dingen und der Dokumentation befasste, Andrea Orth aus dem Mannheimer Raum (Op-Schwester) und dem Plastischen Chirurgen Marc Englbrecht von der Uni München aus lauter „alten Hasen“, Gaby Fromberg, Wolfgang Detterbeck und Ana Lázaro Martín mit Brigitte Zeller, Jörg Dannheuser, Andreas Donhauser, Thomas Hehr und Andrej Moskvin. Nächstes Jahr ist 10jähriges Jubiläum in Haridwar, die Vorbereitungen laufen


Ebersberger Förderverein Interplast e.V. - EFI e.V. - Haridwar-2016

Ebersberger Förderverein Interplast e.V. – EFI e.V. – Haridwar-2016

8. Interplast-Einsatz 2016

Es gibt nichts wirklich prinzipiell Neues zu sagen über den jährlichen Haridwar-Einsatz, und das ist sehr gut so – Vorbereitung und Abwicklung sind nach Ansicht aller Beteiligten sehr nahe an der Obergrenze des Möglichen, obwohl die Freunde aus dem Rotary-Club Ranipur-Haridwar Jahr für Jahr schwören, sie würden die Abläufe für das Folgejahr verbessern. Und Jahr für Jahr fällt es schwer sich auszudenken, was sie meinen von ihrer Seite noch verbessern zu können.

Die Ausstattung des Operationssaales hat sich durch den Kauf von zwei Op-Leuchten (s. „Aktuelles“) weiter verbessert, aus Mitteln örtlicher Sponsoren wurde die Klimaanlage modernisiert, ein Teil der Ausrüstung, die wir bisher jedes Jahr mit auf die Reise genommen und wieder zurück transportiert hatten, bleibt jetzt vor Ort. Ana Lazaro Martín hat mit viel Aufwand Bezugsquellen für Verbrauchsmaterial, Desinfektionslösungen u.s.w. vor Ort ausfindig gemacht und Kontakt gehalten – die Abdeckung des Bedarfs wird jedes Jahr einfacher und besser. Mit einer örtlichen Apotheke bestehen mittlerweile ebenfalls enge Kontakte, so dass ein wichtiger Teil der benötigten Medikamente nicht mehr durch den Zoll geschafft werden muss, sondern vor Ort bestellt und angeliefert wird. Die Qualität ist gut; es ist ja nicht so, dass Indien ein pharmazeutische Wüste wäre – etwa 80 % der in Deutschland vertriebenen Generika (Wirkstoff-identische Medikamente, z.B. Acretylsalicylat = ASS statt Aspirin©) wird in Indien hergestellt und weltweit exportiert.

Allerdings wäre in diesem Jahr gute Gelegenheit gewesen, sensible Dinge ins Land zu bringen: bei Ankunft am Flughafen stellte sich heraus, dass die Zollverwaltung Stunden vorher in Streik getreten war – ohne Ankündigung, genau wie die während unseres Aufenthalts ganz unangekündigte Maßnahme, einen guten Teil der kursierenden Geldscheine für ungültig zu erklären. Diese der Bekämpfung der Korruption dienende Maßnahme brachte unsere Gastgeber in nicht unerhebliche Schwierigkeiten, da viele Artikel in Indien ausschliesslich gegen Barzahlung abgegeben werden und die Banken natürlich nicht mit der entsprechenden Menge neuer Banknoten (und der Kapazität an Schaltern und ATM´s) dienen konnten. Auch diese Klippe wurde mit viel Engagement gemeistert, spielte aber ein paar Wochen später bei einem grossen Fest in Delhi noch immer eine Rolle:

Sunali, die Tochter eines der engagiertesten und ganz anfangs für die Entstehung des Projektes verantwortlichen Gastgebers, Sanjeev Mehta, heiratete in einer mehrtägigen Festivität mit Hunderten von Gästen. Zu dieser Hochzeit war das EFI-Team eingeladen und vier von uns nahmen auch wirklich Teil. Sunali hatte von Beginn an schon als junges Mädchen viel Kraft und Zeit mit unseren Einsätzen verbracht, als Dolmetscherin, als Organisatorin und immer mehr auch als Freundin. Wir wünschen ihr von Herzen alles Gute!

Auch heuer konnten über 70 PatientInnen operiert werden!


7. Interplast-Einsatz Oktober 2015

Noch so frühzeitige Planung schützt nicht vor Schwierigkeiten – dieses Mal brachte ein Verkehrsunfall, den Dr. Detterbeck im Spätsommer erlitten hatte, akuten Umplanungsbedarf. Operationen, Heilung und Nachbehandlung zahlreichen Brüche, die er sich zugezogen hatte, ließen lange eine gewisse Hoffnung, dass er in gewohnter Weise das Team würde mit anführen können. In der Endphase, in der er die Anästhesie-Vorbereitungen bezüglich Ausrüstung, Bestellungen etc. nicht aus der Hand gab (es funktionierte allerdings auch nur eine Hand richtig), zeigte sich jedoch eine bis dahin übersehene weitere Verletzung, und damit war die Entscheidung nicht mehr zu umgehen: Dr. Gaby Fromberg musste die Pflichten der Gesamt-Teamleitung, namentlich der Außenvertretung vor Ort, diesmal alleine schultern (was sie mit eigentlich nie bezweifelter Souveränität tat), Andrej Moskvin übernahm ohne zu zögern die Verantwortung für die mit zwei Hardiwar-Neulingen anders, aber alles andere als inkompetent besetzte „Anästhesie-Abteilung“, und das Pflege-Trio Ana, Christiane und Thomas trugen das Ihre zum Teamzusammenhalt bei. Inzwischen hat sich Dr. Wolfgang Detterbeck weitgehend erholt, er selbst (und auch sonst niemand) zweifelt daran, dass er nächstes Jahr wieder „voll dabei“ sein wird.

Neu waren diesmal aber nicht nur eine Chirurgin und zwei AnästhesistInnen, sondern auch Dr. Nitu Rasaily, eine in Nordindien geborene, in Murnau lebende und arbeitende Chirurgin, die sich bereit erklärt hatte, einige Tage vor Einsatzende nach Haridwar zu reisen, um die operierten Patenten zu übernehemn und für eine weitere Woche zu betreuen. Fast schon wie eine Fügung kam es uns dabei vor, dass nicht nur sie selbst, sondern auch ihre in New Delhi lebende Schwester, die darüber hinaus von Beruf Op-Schwester ist, mit von der Partie sein wollte. Möglicherweise hat sich damit nun für einige Einsätze das immer wieder im Hintergrund lauernde Problem der kompetenten Nachsorge vor Ort lösen lassen – wir werden sehen.

Damit bestand das Team heuer aus

  • Chris/Ptiane Bayer aus Steinheimfalz, Op-Schwester (7. Einsatz dort)
  • Dr. Gaby Fromberg, Plastische Chirurgin aus Murnau (5. Mal)
  • Dr. Birgitta Klaiber, Anästhesistin aus Grafing (1. Mal in Haridwar, mehrere humanitäre Einsätze in Afrika)
  • Ana Maria Lázaro Martín, Op-Schwester aus Gleishorbach/Pfalz 6. Einsatz dort)
  • Dr. Neetu Rasaily, Chirurgin aus Murnau (Nachsorge, 1. Einsatz)
  • Neelam Rasaily, Op-Schwester aus New Delhi (1. Mal)
  • Dr. Tanja Wachter, Plastische Chirurgin aus Innsbruck (zum ersten Mal dabei)
  • Dr. Moritz Brill, Plastischer Chirurg aus Leipzig (2. Einsatz)
  • Dr. Andreas Donhauser, Anästhesist aus Rosenheim (zum ersten Mal in Haridwar)
  • Thomas Hehr, Pfleger aus der Pfalz (wie Ana schon zum 6. Mal dabei)
  • Andrej Moskvin, Anästhesist aus Ebersberg (als „Ober-Anästhesist“, zum 4. Mal), und
  • von zuhause aus Prof.Dr. Hajo Schneck, Anästhesist aus Traxl.

Trotz nicht ganz geringer zahlenmäßiger Stärke gelang es auch heuer wieder, natürlich dank der Gastfreundschaft des Rotary-Club Haridwar, der Kulanz der Fluggesellschaft und der Marien-Apotheke Prien (danke, Herr Dr. Reuther), die Gesamtkosten in der Grössenordnung von € 15.000.- zu halten. Viele der Teammitglieder hatten ausserdem im privaten und beruflichen Umfeld nicht ganz wenige Spenden eingeworben, eine grössere Spende, die für einen heuer nicht zustande kommenden anderen Einsatz in Nordindien reserviert gewesen war, wurde von den Spendern auf den Haridwar-Einsatz umgewidmet.

Die jährliche ärztliche Versorgung durch unser Team hat sich nun im 7. Jahr erfreulich etabliert; Ärzte und Patienten in der Gegend nehmen die von den unermüdlichen und unglaublich gut organisierten Freunden vom Rotary-Club und ihren Familien angebotenen Kommunikationswege wahr (z.B. eine ganzjährige speziell reservierte Handy-Nummer, Nachsorge- und Wiedervorstellungslisten). Diese Gruppe von sozial engagierten und kompetenten Menschen macht unsere fachliche Hilfe für ihre Landsleute möglich, ohne sie wären wir hilflos oder zumindest wenig koordiniert und daher wenig effizient.

Haridwar 2015 Ali

Haridwar 2015 – Ali: Schlimme Verwachsungen nach Verbrennung

Auch heuer wieder stellten sich mehr als 200 Patientinnen und Patienten vor, etwa 80 davon konnten im zweiwöchigen Op-Programm untergebracht und operiert werden (auch wenn es gelegentlich bis tief in die Nacht hinein ging). Nur als Beispiel für die Ernsthaftigkeit der Krankheitsbilder das Foto eines vor Jahren von einer Verbrennung betroffenen und seither nicht behandelten Jungen:

Es ist leicht vorzustellen, wie sehr die nahezu vollständige Bewegungseinschränkung in allen Gelenken des rechten Armes, von der Schulter bis hinab zu den Fingern, das Leben eines Kindes und seine persönlichen und berufichen Entwicklungsmöglichkeiten beeinträchtigt. Die Befreiung des Armes aus dieser Umklammerung wird einen sehr, sehr grossen Unterschied für den Jungen machen, wenn er auch wohl nicht alle bisher entstandenen Defizite wird aufholen können.

Wir sind gespannt, ihn im nächsten Jahr wieder zu sehen und ihn zu fragen, ob ein Teil dessen, was er sich erhofft hat, eingetroffen ist.

Schon wenige Stunden nach Rückkehr des Hauptteams haben sich die ersten MitfahrerInnen für den Einsatz 2016 gemeldet – und die Freunde in Haridwar mit Rücksicht auf die alljährlichen religiösen Feiertage einen Termin im Oktober vorgeschlagen. Bald werden wir die Planung für Haridwar die Achte aufnehmen.


Ebersberger Förderverein Interplast e.V. - EFI e.V. - Haridwar 2014

Ebersberger Förderverein Interplast e.V. – EFI e.V. – Haridwar 2014

6. Interplast-Einsatz 2014 – das nächste Team macht sich auf den Weg

Das große hinduistische Fest Diwali, das Lichterfest, entspricht in vielerlei Hinsicht dem christlichen Weihnachten. Da es an den Neumond gebunden ist ähnlich wie das christliche Osterfest, hat es keinen festen Termin – heuer liegt Divali besonders früh, so dass der Interplast-Einsatz 2014 ein paar Tage später beginnen wird als üblich. Uttarkandh blieb, wie alle west- und nordindischen Gebiete, vom Hurrikan „Hudhud“ verschont, der Mitte Oktober über die Ostküste hereingebrochen war, Dutzende Todesopfer gefordert hatte und fast eine Million Menschen obdachlos gemacht hatte.

Das elfköpfige Team, diesmal wegen der bereits angemeldeten zahlreichen Hand-Verbrennungen verstärkt um eine Physiotherapeutin, wird sich am 26.10.2014 auf den Weg machen, um den 6. Haridwar-Einsatz in Angriff zu nehmen.

Und schon (12. November 14) ist das Team wieder zurück – erfolgreich, das lässt sich ohne Übertreibung sagen, wie immer. Aus familiären Gründen konnten einige der „üblichen Verdächtigen“ diesmal nicht mit dabei sein, dennoch war der Kern des Teams direkt mit von der Partie oder von zuhause aus mit aktiv. Unter der Leitung von Dr. Gaby Fromberg und Dr. Wolfgang Detterbeck versorgten Christiane Bayer, Dr. Lars Berbig und Simone Visintin (alle Op-Pflege), Andrej Moskvin und Brigitte Zeller (Anästh.-Arzt, -Sr.), Gabriele Gross-D. (Physiotherapie), Dr. Martin Hofmeister und Moritz Brill (Chir.-Ärzte) mit Unterstützung von Felix Detterbeck (Dokumentation, „Mädchen“ für alles) an den diesmal nur acht Op-Tagen dank reibungsloser Vorbereitung und tatkräftiger Unterstützung durch die Mitglieder der örtlichen Rotary-Clubs wieder knapp 90 PatientInnen mit den typischen Operations-Indikationen Fehlbildung, Verbrennungsfolgen, Funktionsstörungen der Hände.

Ein Traumatologe, der im örtlichen Kommunal-Krankenhaus als Belegarzt tätig ist, übernahm die Nachsorge, Komplikationen ernsthafter Art sind nicht aufgetreten.

Neben den guten medizinischen Ergebnissen sei auch wieder einmal eine kurze Rechnung aufgestellt. Die Gesamtausgaben beliefen sich für den diesjährigen Einsatz auf € 16.500.- (etwas mehr als üblich: das Team umfasste zwei Personen mehr als 2012, wegen des Flut-bedingten Intervalls von zwei Jahren mussten nicht wenige Medikamente und Materialien, die in Hardiwar verblieben waren, wegen Verfall oder unsicherer Lagerung verworfen und unter gewissen Übergepäck-Kosten erneut importiert werden). Das bedeutet bei einer Patientenzahl von 90 dennoch lediglich ca. 185 Euro pro Patient, ein Betrag, für den in Deutschland eine Packung Tabletten, ein etwas gehobeneres Abendessen oder ein bis zwei Konzertkarten zu erhalten sind – das Geld ist gut angelegt, glaube ich. Allen Teammitgliedern und besonders den beiden LeiterInnen ein herzliches Dankeschön von EFI, genauso wie allen unseren Spendern!


Haridwar 2010 Rishikesh

Der Ganges in Rishikesh einige Kilometer oberhalb von Haridwar (Foto: AP in faz.net)

2013 – andere Prioritäten nach verheerender Monsun-Katastrophe

Der schon gewohnte Interplast-Einsatz in Haridwar, der 6. in Folge wäre es geworden, findet in diesem Jahr nicht statt. Die Planung, die wegen eines Umbaus im von uns genutzten Krankenhaus ohnehin schon schwierig begonnen hatte, wurde nun endgültig aufgegeben. Grund hierfür sind verheerende Überschwemmungen im Zuge des heuer sehr früh und extrem stark einsetzenden Monsuns an der Südseite des Himalaya. Hauptsächlich betroffen sind die Bundesstaaten Uttarakhand und – nordwestlich davon – Himachal Pradesh, die den Oberlauf des Ganges bzw. des Indus beherbergen.

Etwa zur gleichen Zeit, in der auch in Europa durch starke Regenfälle sog. „Jahrhundertfluten“ ausgelöst wurden, kam es Mitte Juni 2013 zu Überflutungen in der Gegend von Haridwar und Ganges-aufwärts, bei denen Hunderttausende obdachlos wurden und ihr Hab und Gut verloren, Zehntausende verletzt worden sind und eine noch nicht bekannte Zahl von Menschen ums Leben kam; derzeit werden alleine im Bundesstaat Uttarakhand einige Tausend Menschen vermisst.

Der Rotary Club von Haridwar, der seit 2008 unser Partner bei den Einsätzen mit Interplast-Teams ist, hat umgehend in Zusammenarbeit mit den Rotariern des gesamten Staates eine Hilfsstruktur geschaffen, die sich bereits jetzt, wo Armee und Luftwaffen noch mit der Rettung von Verletzten und der Bergung von Todesopfern befasst sind, den Wiederaufbau tragfähiger Strukturen in den am stärksten betroffenen Gebiete plant. Dabei geht es neben rein baulichen Massnahmen auch um die Wiederherstellung eines Gesundheits- und Bildungswesens. An dieser Stelle will EFI die Massnahmen der Rotarier unterstützen, die sich in den ganzen Jahren nicht nur als zuverlässige Partner und Freunde, sondern gerade auch als effiziente Organisatoren erwiesen haben. Nach den Erfahrungen aus Haiti mit dem weitgehend unorganisierten, teils sehr chaotischen und letztlich kontraproduktiven „Aufmarsch“ von Helfern und Hilfsorganisationen mit bester Absicht, aber wenig konkretem Plan halten wir die Unterstützung von Organisationen, die vor Ort exzellent vernetzt sind und die Gegebenheiten weitaus besser kennen als UNICEF, WHO, MSF oder wer immer, für die am besten geeignete Vorgehensweise.

EFI hat deshalb die für den geplanten, nun aber abgesagten Einsatz im Herbst 2013 bereits gesammelten Mittel aufgerundet und wird dem Rotary Club Haridwar, der federführend an der Hilfsplanung beteiligt ist, den Betrag von 1.000.000 IndRupies entsprechend ca. € 14.000.- zur Verfügung stellen mit der Auflage, diesen Betrag kurz- oder mittelfristig für die Wiederherstellung und Verbesserung der medizinischen Möglichkeiten im Katastrophengebiet einzusetzen.


Haridwar 2012: Rajiv Bhalla, die treibende Kraft des Rotary-Clubs

Haridwar 2012: Rajiv Bhalla, die treibende Kraft des Rotary-Clubs

5. Interplast-Einsatz im Oktober 2012

Und schon wieder war ganz rasch ein Jahr vorbei gegangen, das für alle Teilnehmer mit vielen anderen wichtigen Dingen angefüllt war, Privatem, Beruflichem, und dennoch hatten wir alle das Gefühl, auf diesen Einsatz hin gefiebert zu haben.

Umfeld und Personen vor Ort am Ganges waren weitgehend dieselben, der Reiseablauf schon Routine – trotzdem hatten die Freunde in Haridwar ihr Versprechen, weiter an der Perfektionierung zu arbeiten, wahr gemacht. Rima Bhalla, die Frau des Haupt-Organisators Rajiv, hatte bereits im Sommer mit der Patientenakquise begonnen und dazu ein eigenes Mobil-Telefon besorgt und eingerichtet, über das ausschliesslich Telefonate im Zusammenhang mit dem Camp abgewickelt wurden.

Haridwar Rima

Haridwar 2012: Rima Bhalla, die Seele der Patienten-Organisation

Dazu hatte sie von den 50 im letzten Jahr auf die „Warteliste“ gesetzten PatientInnen (für die wir 2011 keine Op-Zeit mehr hatten finden können) 38 erreicht und einbestellt (36 davon haben wir dann auch behandelt und dafür eine etwa ebenso lange Liste für 2013 zurück gelassen); ferner etwa 10 im letzten Jahr endgültig operierte PatientInnen aufgespürt, die sich bereitwilligst einfach zum Nachschauen (für uns eine wichtige Qualitätskontrolle) und ein bisschen Reden und Lachen einfanden.

Auch die administrativen Abläufe hatten die damit befassten Rotarierinnen nochmals verbessert; anders wäre es nicht möglich gewesen, ohne jede Verwechslung, mit leicht erträglichem Lärm und in nur sieben Stunden an zwei praktisch eingerichteten Untersuchungsplätzen schon am ersten Tag 180 PatientInnen anzusehen, etwa ein Drittel davon auszuwählen, zu dokumentieren und parallel dazu bereits einen recht genauen Op-Plan für die folgenden zwei Wochen festzulegen (an den folgenden Tagen haben wir neben dem laufenden Op-Betrieb weitere 140 PatientInnen untersucht und beraten, zusammen weit über 300).

Neu von unserer Seite war, dass wir erstmals versuchten, das Fehlen ärztlicher Nachbetreuung nach Abreise in diesem „schlafenden“ Krankenhaus dadurch zu kompensieren, dass eine Kollegin aus unserem Team gut eine Woche länger blieb (und dafür erst kurz vor Ende des Op-Betriebs anreiste). Somit bestand das Team diesmal aus 10 Personen, und zwar

EFI Team 2010

Christiane Bayer, Dr. Bärbel Fuchs, Dr. Gaby Fromberg, Ana Maria Lázaro Martín, Dr. Irini Panteli, Andrej Moskvin, Prof.Dr. Hajo Schneck

  • Christiane Bayer aus Steinheim/Pfalz, Op-Schwester (4. Einsatz dort)
  • Dr. Bärbel Fuchs, Anästhesistin aus Wasserburg am Inn (3. Mal)
  • Dr. Gaby Fromberg, Plastische Chirurgin aus Murnau (3. Mal)
  • Ana Maria Lázaro Martín, Op-Schwester aus Gleishorbach/Pfalz (5. Einsatz dort)
  • Dr. Irini Panteli, Plastische Chirurgin aus Hamburg (zum ersten Mal dabei)
  • Dr. Silke Platte aus Neuental/Hessen, Praktische Ärztin (zum ersten Mal dabei, Nachsorge)
  • Dr. Matthias Biemer, Plastischer Chirurg ebenfalls aus Murnau (erstmals)
  • Thomas Hehr, Pfleger aus der Pfalz (wie Ana schon zum 5. Mal dabei, also jedes Mal)
  • Andrej Moskvin, Anästhesist aus Ebersberg (wie im letzten Jahr), und
  • Prof.Dr. Hajo Schneck, Anästhesist aus Traxl und Teamleiter.

Ausserdem konnten wir dank einigen speziell für Haridwar eingetroffenen Spenden uns auch apparativ verbessern; so habe wir jetzt einen eigenen sog. „Elektrokauter“, also ein Gerät für elektrisches Schneiden und Blutstillung, zurück gelassen, dazu zwei Spritzenpumpen und einige weitere nicht ganz billige Gerätschaften. Das wird die Gepäcksituation bei den nächsten Einsätzen – und dass es noch mehrere solche geben wird, davon gehen wir alle aus – merklich entlasten.

Was haben wir also diesmal geleistet? Knapp 125 Operationen bei gut 85 PatientInnen, wie immer überwiegend Kinder und weibliche Patientinnen, mit den Schwerpunkten Verbrennungschirurgie an Händen, Armen und Stamm, dazu Fehlbildungen und oberflächliche Tumoren. Erfreulich und uns allen ein Anliegen, dass wir die Ausgaben aus Spendengeldern auf ca. € 110.- pro Eingriff noch weiter senken konnten – ein Betrag, für den es in München kaum mehr zwei Konzertkarten oder zwei Tankfüllungen gibt.

Haridwar 2012 Rekha-5

Gleiche Patientin einige Tage nach einer vielstündigen Operation (weitere werden folgen)

Haridwar 2012 Rekha

Haridwar 2012 Rekha

Besonders beeindruckt hat uns alle diesmal der Fall einer jungen Frau mit schwersten Verbrennungen an Gesicht, Hals, Brust, beiden Armen und Händen, die wir in einer mehr als 7stündigen Op-Sitzung aus ihrem narbigen Panzer befreien konnten (weitere Operationen sind für 2013 geplant) – ein Eingriff, der von Dauer, Gewebstrauma, Wärme- und Blutverlust her an die oberste Grenze dessen gegangen ist, was unter den gegebenen Bedingungen mach- und verantwortbar ist. Wir waren alle sehr froh (und schon auch erleichtert), als sich Rheka (so ist ihr Name) innerhalb von 24 Stunden ganz erfreulich erholt hat.

Für nächstes Jahr sind wir von den Rotariern und von den politisch Verantwortlichen (wir hatten u.a. Besuch vom Gesundheitsminister und zuvor schon von seinem Staatssekretär) herzlich eingeladen, ein weiteres Camp zu veranstalten, und weitere Optimierungen in Ablauf und Umfeld sind angekündigt – ich wüsste nicht, wo noch Luft nach oben wäre. Und bereits auf der Abschlussveranstaltung wurden von örtlichen Industriellen und Geschäftsleuten an die Rotarier Sponsoring-Schecks überreicht und weitere zugesagt. Wir werden gerne wieder kommen und unser Bestes geben.


Rotarier-Freunde: Sujata Mehta, Swati und Rajat Khandelwal

4. Interplast-Einsatz im Oktober 2011

Obwohl wir uns nun schon zum vierten Mal auf den Weg an den oberen Ganges machten, war es kein Routine-Unternehmen (und wird es wohl auch die nächsten Jahre nicht werden). Nicht nur dass die Spannung gross ist, welche Patienten sich neu vorstellen würden und was aus den Patienten des letzten Jahres wohl geworden sein mag; auch das Team ist jedes Jahr anders zusammengesetzt und muss sich immer neu als Gruppe bewähren. Es hat sich inzwischen ein „harter Haridwar-Kern“ gebildet bestehend aus Christiane Bayer/Steinfeld, Dr. Gaby Fromberg/Murnau, Dr. Bärbel Fuchs/Wasserburg (2009 und 2010), Christine Gugg/Edling, Ana Lazaro Martín/Gleishorbach, Cristina Lorenz/Traxl (2008 und 2009) sowie Thomas Hehr, Gleishorbach, Dr. Wolfgang Detterbeck/Breitbrunn und Prof.Dr. Hajo Schneck/Traxl), die alle bereits mehrmals in Haridwar mit von der Partie waren (und das auch in den nächsten Jahren sein wollen). Mit dabei waren diesmal auch Dr. Petronela Monticelli-Maier, Oberärztin der Plastischen Chirurgie an der Bad Kreuznach und Dr. Jürgen Bredow, Oberarzt der Unfallchirurgie in Ravensburg, der kurzfristig für den verunfallten, bereits Haridwar-erfahrenen Ebersberger Chirurgen Jörg Dannheuser eingesprungen war – danke dafür.

Mehr und mehr wird die Ankunft in Haridwar zu einer Rückkehr; die schon 2008 perfekt agierenden Rotarier-Familien sind inzwischen – jedenfalls einige davon – zu Freunden geworden, der Einsatz für Interplast (und nicht nur für Interplast; dieselbe Gruppe organisiert unermüdlich und mit hohem finanziellem und persönlichem Einsatz eine ganze Reihe weiterer medizinischer und sozialer Projekte von der Pilgerbetreuung bis zur Herzchirurgie) ist unglaublich und wird offenbar mit echter Überzeugung und Hingabe geleistet.

Als kleines Beispiel: um uns ein paar Minuten mehr Schlaf und eine morgendliche Team-Situation zu ermöglichen, wird unser Frühstück im Hotel zubereitet, das allerdings nicht über eine Küche verfügt. Deshalb versorgt uns morgens um 7 Uhr einer der Rotary-Freunde mit Tee, Kaffee, Toast und frischen Früchten, und das jeden Tag und mit freundlicher Miene und interessanten Neuigkeiten. Danach begleitet er uns ins Krankenhaus, kümmert sich darum, dass die Organisation ins Laufen kommt und verschwindet erst dann völlig unauffällig und ohne grosses Aufhebens in seine Firma Jedes Jahr überlege ich, welcher deutsche Firmenchef (und mit Firma meine ich in seinem Fall einige Tausend Mitarbeiter und einen, in Euro und auf Deutschland umgerechnet, achtstelligen Jahresumsatz) wohl Morgen für Morgen für ein knappes Dutzend unausgeschlafener Ausländer die Semmel einkaufen und sich dann beste Stimmung verbreitend zu ihnen setzen würde – ich kann mir keinen vorstellen. Auch für diesen jungen, gut situierten Unternehmer wäre es ein Leichtes, Personal abzustellen oder auf andere Weise für unser Frühstück sorgen zu lassen – seine Art hat aber eben weniger mit Frühstück als mit Respekt, Engagement und Hingabe („commitment“) zu tun. So läuft Vieles in Haridwar, ein unschätzbarer Punkt für das Gelingen unseres gemeinsamen Projekts Interplast-Camps.

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Haridwar 2011: Rotary-District-Governor Manpreet Singh

Mit grosser Freude haben wir erfahren, dass der Rotary-Club Haridwar, welcher diese unendliche Arbeit (und auch eine ganze Menge Geld) in unsere Camps investiert hat und das auch weiter tun will, vom Rotary-District 3080 Nordindien mit dem Ersten Preis für humanitäre Activities ausgeszeichnet wurde. Das freut uns nicht nur für unsere Freunde in Haridwar und unser Projekt, sondern es ist offenbar auch ein Ansporn für andere Rotary-Clubs. So haben wir bereits Anfragen von zwei Clubs aus New Delhi und Chandigarh für ähnliche Interplast-Einsätze – wenn sie nach dem Vorbild Haridwar geplant und organisiert werden, kann das nur gut sein.

In den von einem Feiertag unterbrochenen zwei Arbeitswochen konnten wir diesmal bei 75 PatientInnen 108 Operationen durchführen, wobei die guten Ergebnisse der handchirurgischen Eingriffe im letzten Jahr zu einer Flut von Anmeldungen schwerer und schwerster Handverbrennungen geführt hatten. Nachdem wir von den untersuchten 340 PatientInnen an den zur Verfügung stehenden acht Tagen nur 75 operieren konnten, bei weiteren 50 aber Operationsbedarf besteht, haben wir für 2012 bereits ein fast komplettes Operationsprogramm gesammelt; die Organisatoren werden alle diese PatientInnen frühzeitig anrufen oder anschreiben, sobald der genaue Termin des nächstjährigen Einsatzes feststeht. Ein Orthopäde aus Uttarkandh, der sich heuer zur Übernahme der Nachbetreuung unserer Patienten bereit erklärt hat, will sich inzwischen auch um die krankengymnastische Nachsorge kümmern – wenn das klappt, wäre es ein weiterer wichtiger Schritt hin zu einer tragfähigen, auf Dauer ausgerichteten Struktur.


Gaby Fromberg, Christine Gugg, Ana Lázaro Martín, Bärbel Fuchs, Wolfgang Detterbeck, Thomas Hehr, André Borsche und Hajo Schneck (von links). Nicht auf dem Bild: Prakash Chhajlani

3. Interplast-Einsatz im Oktober 2010

Kumbh Mela mit seinen 20 Millionen Pilgern hatte ebenso eindrucksvolle Spuren in Haridwar hinterlassen wie die Folgen der heftigsten Monsun-Niederschläge seit fast 40 Jahren (nicht nur in Pakistan, sondern eben auch weiter östlich am Himalaya) mit Überflutungen und Erdrutschen in grösstem Ausmass. Dennoch bestanden die Gastgeber des Rotary-Clubs Ranipur-Haridwar darauf, dass wir uns wie vereinbart einfinden sollten – und hatten auch alles perfekt vorbereitet, logistisch wie organisatorisch, und nicht nur eben perfekt, sondern mit grösster Herzlichkeit und Freude.

Unser Team mit drei ChirurgInnen (Dr. Gaby Fromberg/Murnau, Dr. André Borsche/Bad Kreuznach, Prakash Chhajlani MD/Indore-Madhyia Pradesh), drei Schwestern und einem Pfleger (Ana Lazaro Martín und Thomas Hehr, Gleishorbach, Christiane Bayer/Steinfeld und Christine Gugg/Edling) sowie drei AnästhesistInnen (Dr. Bärbel Fuchs/Wasserburg, Dr. Wolfgang Detterbeck/Breitbrunn und Prof.Dr. Hajo Schneck/Traxl) hatte überwiegend schon Haridwar-Erfahrung (und Sehnsucht) und fand sich schnell wieder in die Gegebenheiten ein. Von den Damen und Herren des Rotary-Clubs wurden wir erneut geradezu verwöhnt, neben Unterkunft und wunderbarem vegetarischem Essen schenkten sie uns vor allem ihre Zeit von morgens sieben bis fast Mitternacht und wirkten als Dolmetscher, Hol- und Bringedienst, Telefonisten und Organisatoren, nicht zu vergessen Fremdenführer am freien Sonntag. Das Rafting und Schwimmen im Ganges, welches wegen des noch immer hohen Wasserstandes leider ausfallen musste, ersetzten sie uns durch einen genussvollen Spaziergang mit Bad im Wasserfall in den Vorbergen des Himalaya.

In den zwei Wochen mit acht Op-Tagen, die unser Einsatz diesmal dauerte, konnten wir neben der Untersuchung und Beratung von 320 PatientInnen fast 130 Eingriffe bei 86 PatientInnen durchführen, was sich bei Gesamtausgaben von ungefähr € 14.000.- zu einem durchschnittlichen Einsatz von Spendenmitteln von weniger als € 110.- rechnet – ein Wert, auf den wir sehr stolz sind (und den wir natürlich auch der Tatsache verdanken, dass wir für Unterkunft und Essen keinen Cent ausgeben mussten).

Bei der Abschiedsfeier in ganz entspannter und freundschaftlicher Atmosphäre wurde von unseren Gastgebern und von den anwesenden Vertretern aus Politik und Gesundheitsverwaltung gar nicht gefragt ob, sondern lediglich wann wir im nächsten Jahr wiederkommen würden – das EFI-Projekt Haridwar scheint in die richtige Richtung zu laufen. Es wird mit der Gewinnung eines örtlichen Chirurgen, der bereits diesmal steigendes Interesse angedeutet hat und sich vielleicht im nächsten Jahr durch mehr Anwesenheit und mehr Verantwortung für Vor- und Nachsorge enger einbinden lassen wird, weiter an Qualität und Zukunftsfähigkeit erhalten. Wir freuen uns darauf und werden im Herbst 2011 wieder nach Uttarkandh aufbrechen.


Interplast-Team 2009

2. Interplast-Einsatz im April 2009

Das zweite Interplast-Camp wurde entsprechend im April 2009 durchgeführt, wiederum mit einem von Prof. Hajo Schneck geführten internationalen und deutschlandweiten Team (Ebersberg, Gleishorbach, Indore/Indien, Krefeld, Oslo/Norwegen, Steinfeld, Traxl), erneut unter dem Dach der Bad Kreuznacher Interplast-Sektion.

Bei diesem zweiten Einsatz bestätigten sich alle Eindrücke von 2008, was Gastfreundschaft und Arbeitsbedingungen betrifft; vor alle aber hatten die im Jahr zuvor operierten PatientInnen offensichtlich gute „Werbung“ gemacht hatten: schon bei unserer Ankunft fand sich das Krankenhaus von Menschen belagert, die von uns behandelt oder wenigstens untersucht werden wollten – im Laufe der ersten Tage sahen wir weit über 300 Kinder und Erwachsene (wobei der Einsatz unseres Kollegen und Freundes Dr. Prakash Chhajlani, Plastischer Chirurg aus Indore in Zentralindien, gar nicht genug hervorgehoben werden kann).

92 Operationen zählten wir am Ende der zweiten Woche, und viele weitere Patienten hatten wir schon auf 2010 vertrösten müssen. Und wieder kamen wir dank der unglaublichen Gastfreundschaft des Rotary-Clubs von Haridwar und Ranipur mit dem sehr niedrigen Betrag von € 175.- pro Operation aus, eine Grössenordnung, die nur etwa ein Zwanzigstel oder noch weniger dessen bedeutet, was für eine vergleichbare Operation in Deutschland aufgewendet werden müsste.

Das nächste Kumbh Mela-Fest fällt auf das Jahr 2010 und stellt die sozial engagierten Bürger von Haridwar vor immense Aufgaben. Sie haben trotzdem darauf bestanden, uns auch für dieses besondere Jahr wieder einzuladen, weil, wie sie uns sagten, „die Armen von Haridwar und Umgebung darum gebetet hätten und schon fest auf unserer Hilfe zählten“. Die Planung läuft, ein ähnliches Team wird sich im Oktober auf den Weg machen, wenn Kumbh Mela vorbei und die Arbeit dort getan ist.


1. Interplast-Einsatz im März 2008

Erstmals im März 2008 besuchte ein Interplast-Team (Breitbrunn, Gleishorbach, Krefeld, München, Mumbai/Indien, Padua/Italien, Traxl) unter Leitung von Prof. Hajo Schneck die Stadt im Bundesstaat Uttarkandh im Nordosten Indiens zwischen Pakistan und Nepal, um dort unter der Obhut des örtlichen Rotary-Clubs chirurgische Hilfe zu leisten.

Die Bilanz dieses zweiwöchigen Einsatzes (unter dem Dach der Interplast-Sektion Bad Kreuznach) war mit 77 Operationen und nicht nur in finanzieller Hinsicht exzellentem Sponsoring durch die Gastgeber (Unterkunft und Mahlzeiten ohne Kosten für das Team, eingesetzte Spendenmittel pro Operation: € 170.-) so positiv, dass noch vor Ort mit den Gastgebern und den örtlichen Repräsentanten der Gesundheitsverwaltung ein Folgeeinsatz für 2009 und weitere Jahre vereinbart wurde.