Noida in Indien

April 2017 – EFI startet ein weiteres Hauptprojekt in Noida/Uttar Pradesh  – Indien

Das Hauptprojekt von EFI im nordindischen Haridwar pflanzt sich fort: über die Organisationsstrukturen und internen Medien der indischen Rotarier erfuhr der Rotary Club Noida im Bundesstaat Uttar Pradesh (östlich von New Delhi) von den dort von EFI aufgebauten, nun schon seit 10 Jahren etablierten und finanzierten Op-Camps (s. „Hauptprojekt Haridwar“).

Ebersberger Förderverein Interplast e.V. - EFI e.V. - Noida

Ebersberger Förderverein Interplast e.V. – EFI e.V. – Noida

Auf der persönlichen Schiene der Bekanntschaft zwischen unserem Haridwarer Haupt-Ansprechpartner Rajiv Bhalla und dem aktuellen Club-Präsidenten in Noida, Shashank Agarwal, trat der Club an EFI heran mit der Fragestellung, ob etwas Ähnliches auch in Noida vorstellbar sei.

Noida (aus „New Okhla Industrial Development Authority“; in Anlehnung an einen älteren industriellen Bezirk in Delhi´s Süden, Okhla) ist eine erst vor gut 40 Jahren unter Federführung von Sanjay Gandhi, dem umstrittenen Sohn der umstrittenen Indira Ghandis, die damals Premierministerin war, gegründete Industriestadt im Nordosten von New Delhi. Sie sollte den Rahmen für die strukturell gut unterlegte Ansiedlung mittelgrosser und grösserer Industriebetriebe bieten. Inzwischen ist Noida, das zum Bundesstaat Uttar Pradesh mit seinen weit über 200 Millionen Einwohnern gehört, an Delhi heran- und selbst zu einer Grossstadt herangewachsen, die ursprünglich vorgesehene Privilegierung der Mittelklasse-Einwohnerschaft wurde vom Bevölkerungswachstum und von einer wachsenden unterprivilegierten Bevölkerungsschicht aus der Dienstleistungssparte zunichte gemacht; heute leben in Noida anteilig ebensoviele Arme wie in anderen industrialisierten indischen Städten, die wohlhabenderen Einwohner haben sich Jahr für Jahr mehr in ihre umzäunten und von bewaffneten Safety-Mitarbeitern bewachten Häuser zurück gezogen, wie man es aus Südamerika, den USA und anderen Weltregionen kennt, in denen die soziale Schere weit geöffnet ist. Die gegenwärtige Einwohnerzahl von Noida wird auf gut eine Million geschätzt, ein Wachstumstempo, dem auch gut gemeinte Substruktur-Massnahmen (Nahverkehr, Zu- und Abwasser, Strom etc.) nichts entgegen zu setzen haben. Es gibt also trotz der privilegierten Lage zwischen Hauptstadt und touristisch florierendem Agra mit dem Taj Mahal und weiteren Weltsehenswürdigkeiten für Interplast und andere NGO´s mehr als genug zu tun.

1. Einsatz Noida 19. bis 28. April 2017

Einen ersten, kurzen Test-Einsatz führten wir im April 2017 durch. Ein kleines Team aus zwei ChirurgInnen (Dr. Eva-Maria Baur aus Murnau) und Dr. Rajmund Pikula von der Universität Innsbruck, einem Anästhesisten (Dr. Martin Kreutzer aus Düsseldorf), einer Op- und einer Anästhesie-Schwester (Sandra Stauber aus Straubing, Eva Kreutzer aus Düsseldorf) und Prof. Hajo Schneck als „Mädchen für alles“ verbrachten eine gute Arbeitswoche in einer hervorragend ausgestatteten Privatklinik in Noida, dem Prayak Hospital. Wir (Dr. Fromberg und ich) hatten das Krankenhaus schon im Dezember 2016 kurz besucht, besichtigt und für geeignet befunden, als wir zur Hochzeit der Tochter eines der Hauptakteure im Haridwar-Projekt nach Greater Noida eingeladen waren.

Trotz der Kürze der Zeit und der Beschränkung auf nur einen Op-Tisch (die Klinik lief wie gewohnt weiter und begann mit dem Op-Betrieb für einige der zahlreichen dort geübten Fächer bereits um 06:00 morgens) konnten wir mehr als 50 zum Teil sehr umfangreiche Eingriffe durchführen.

Die Zusammenarbeit mit den örtlichen Rotarieren, insbesondere mit Mr. Shashank Agarwal, der in Noida eine nicht zu kleine Firma für Sendeanlagen besitzt und betreibt, war exzellent und von einer zuvor nur in Haridwar erlebten Fürsorge auf allen Ebenen getragen. Auch die Interaktion mit der Klinik war mehr als zufriedenstellend, kompetentes Personal, ein notfalls auch rasch reagierendes Beschaffungswesen, sehr gute Hygienestandards, eine zuverlässige Überwachung und gute Nachsorge liessen keine Wünsche offen. Allerdings wurde unser Aufenthalt mehr als gewohnt für PR-Zwecke der privaten (und von Indiens „Managerin des Jahres“ geleiteten und besessenen) Klinik genutzt, eher ausgenutzt. Darüber hinaus gab es wohl von uns weitgehend fern gehaltene Differenzen zwischen Klinik und Rotary-Club, so dass eine Wiederholung am selben Ort nicht mehr in Frage kam.

Aus medizinischer Sicht war das Camp jedenfalls rundum erfolgreich, auch die Dynamik innerhalb der Gruppe liess hoffen, dass sich hier ein weiteres stabiles Team entwickeln könnte – dass diese Hoffnung nicht trog, hat der Folgeeinsatz im April 2018 bereits gezeigt.

Für einen Einsatz mit „nur“ 53 Operationen an einem Op-Tisch in wenigen Tagen sind die Kosten pro Patient natürlich höher als wenn an zwei Tischen und an mehr Tagen gearbeitet werden kann; der Haupt-Kostenfaktor Reisekosten ist ja in beiden Fällen absolut gleich. Die Ausgaben für EFI betrugen insgesamt gut 12.000.- Euro, das sind aus den genannten Gründen mit etwa € 600.- pro Operation deutlich mehr als gewohnt. Aber: immer noch extrem wenig trotz Flugkosten u.s.w. im Vergleich zu einer viel kleineren Operation in Deutschland, das steht fest.

2. Einsatz Noida 18. bis 25. April 2018

Zum zweiten Einsatz in Noida brach unter Leitung von Frau Dr. Eva.Maria Baur aus Murnau ein sehr ähnliches Team auf wie im Jahr zuvor; wieder mit von der Partie waren Dr. Pikula und Sandra Stauber, Hajo Schneck hatte aus privaten Gründen kurz vor Abflug absagen müssen. Verstärkt wurde das Team durch Frau Dr. Bui Hong My Nguyen, eine erfahrene Interplast-Anästhesistin aus dem Aachener Raum, Frau Dr. Sarah Göbel aus Köln und die Op-Schwester Valerie Eggs aus Offenburg. Eine Erleichterung war es diesmal, dass ein Teil des doch gewichtsmässig bedeutenden chirurgischen und anästhesiologischen Instrumentariums geplant in Haridwar zurück gelassen und von den befreundeten Rotariern nach Noida transportiert werden konnte.

Die Organisatoren um Mr. Shashank Agarwal hatten für dieses Jahr ein kleines Krankenhaus unweit des ersten ausfindig gemacht und eine Zusammenarbeit vereinbart, das Prakash Hospital unter der Leitung von Frau Dr. Gagandeep Kaur. Die Zusammenarbeit bereits im Vorfeld gestaltete sich einfach, gerade heraus und dank der Fachkompetenz von Frau Dr. Gagan sehr effizient. Die Gegebenheiten im Krankenhaus standen denen im – reicheren – Haus des Vorjahres für unsere Zwecke nicht nach, auch im nächsten Jahr wird dieses Haus wieder unser Ziel sein.